Sensationeller Fund: Die Bildungsoffensive versteckte sich jahrelang im Supermarkt

Letzte Woche war ich für eine Lesung meines Buches auf der Buchmesse in Leipzig. Das war spannend, ist hier aber nicht das Thema.

Mein Verlag hatte mich in einem sehr schönen Hotel  am Stadtrand untergebracht und da ich lieber mit vielen im Bus als allein im Taxi sitze, bin ich mit eben diesem – Bus – zur Messe gefahren. Und auf dem Weg machte ich die unglaublichste Entdeckung: Die Bildungsoffensive, von der unsere Regierung seit langem spricht (nein, ich will nicht behaupten, sie „schwärme“) und für die sie über sechs Milliarden Euro zur Verfügung stellt, diese Bildungsoffensive hat sich all die Jahre versteckt. In mindestens einem, vermutlich jedoch mehreren Supermärkten und Einkaufstempeln. Woher ich das weiß? Ganz einfach. Während ich mit dem Bus so durch Leipzig zockele schaue ich neugierig – nein, was sage ich da, interessiert – aus dem Fenster. Und sehe mehrere graue, triste, gleichmäßig verfallen aussehende Gebäude an mir vorbei ziehen. Und nein, das waren keine Wohnblocks, wie man aus dieser Beschreibung vielleicht fälschlicherweise entnehmen könnte. Dafür waren die Fenster zu groß und die Höfe dazwischen zu grau.

Eine Schule, denke ich so bei mir, vermutlich längst verlassen und verödet, eines neuen Investoren harrend. Aber nein, mitnichten verlassen. Aus mehreren Räumen schimmerte Licht, ich sah Tafeln und lehrer- und schülerähnliche Wesen.

Eine Schule, denke ich also, aber NICHT verlassen? Wie kann das sein? Was muten wir unseren Kindern zu? In einem solchen Etablissement könnte man bestenfalls dann mit Begeisterung lernen, wenn der Lehrstoff genaue Anweisungen für die zügig anstehende  Auswanderung zum Inhalt hätte!

Wo geht es also hin, das viele Geld? Ein paar Meter weiter wurde das Rätsel gelöst: da baut, direkt auf dem Nachbargrundstück, eine Supermarktkette einen, genau, Supermarkt. Todschick, ökologisch wertvoll und natürlich „grün“. Sieht aus, wie die TV Serie heißt: „edel und stark“! Wenn da nicht das Supermarkt Logo gewesen wäre hätte ich gedacht, es würde ein neuer Wellnesstempel. Wäre ja logisch gewesen, die frustrierten und begeisterungsberaubten Lehrer und Schüler von nebenan könnten sich so wenigstens ein bisschen erholen…

Och nee, ich weiß schon, Geld ist Geld und Schnaps ist Schnaps und was der Bund ausgibt und wofür hat nix zu tun mit dem, was die Wirtschaft ausgibt. Trotzdem kann ich nicht umhin mich zu fragen, zu welchen Leistungen unsere jungen Leute fähig wären, wenn sie in anregender statt abstoßender Umgebung lernen und studieren dürften. Wenn ich mir manche Lehr-„Anstalten“ so anschaue ist es ein Wunder, dass wir in Deutschland über eine Akademiker Schwemme klagen können.

Und ja, der Titel dieser Kolumne ist unlogisch und irreführend. Aber ich wollte so gern auch mal einen Header wie die BILD haben….

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Smarthome – irgendwie unsmart…

… zumindest, wenn man mal näher darüber nachdenkt. Aber halt, Smartphones kennen wir ja inzwischen alle, was aber ist ein Smarthome, ein schlaues Haus?

Man könnte meinen, ein Haus, das mitdenkt, ist eine prima Sache. Ich kann von unterwegs die Heizung ein- und ausschalten, die Beleuchtung ebenfalls. Wenn ich auf eine Paketsendung warte und dem Postboten genügend vertraue, kann ich getrost im Wald joggen und wenn er da ist, ihm von dort die Tür öffnen. Zumindest wenn ein Funkmast in Reichweite ist. Meine Nachbarn kann ich prima ärgern:  ich schiebe zu Hause eine CD der Kastelruther Spatzen ein und setze mich gemütlich um die Ecke ins Cafe. Da touche ich irgendwo auf meinem smarten Phone auf „on“ und schon dröhnen den Nachbarn die Ohren. Mein Kühlschrank meldet mir, dass der Wein alle ist oder der Käse gerade abläuft. Möglichst, während ich durch die Savannen Afrikas auf der Suche nach den Big Five rumpele. Super, wie hätte ich die Safari ohne diese Information nur überstanden?  Oder ich erfinde eine automatische Katzenfutterstation, dann ist auch ein dreimonatiger Auslandsaufenthalt kein Problem. Ok, meine Katze erkennt mich nicht mehr und hat wegen mangelnder Zuwendung sämtliche Wände und Möbel mit Kratzspuren verziert. Aber hey, dafür war ich voll autark voll weit weg. Ausser meinem Tablet oder Smartphone brauche ich als stolzer Besitzer eines Smarthomes niemanden mehr, kann ich alles von Hintertupfingen aus selbst regeln.

Aber abgesehen davon, dass die ohnehin schon fast brachliegenden nachbarschaftlichen Beziehungen dann ganz den Bach runtergehen, warnen Datenschützer vor den unübersehbaren Kontrollmöglichkeiten , die meine eigenen vier Smarthomewände plötzlich über mich haben. So soll die Tatsache, dass ich als Hausbesitzer von unterwegs aus Lampen, Rolläden und das Fernsehprogramm steuern kann, mich vor Einbrechern schützen – in ein bewohntes Haus, in dem gerade offensichtlich eine Party steigt, steigt ein smarter Dieb ja nicht ein. Blöd nur, dass ich mit meinem smarten Home dazu beitrage, dass Langfinger neue und ungefährlichere Methoden des Einbrechens entdecken. Genau genommen brechen sie gar nicht mehr, sie klicken. Oder eher, sie touchen. Einen Punkt auf dem Display ihres Tablets. Dann murmeln sie, wenn sie mit einem Quäntchen Humor und etwas Allgemeinbildung gesegnet sind „Sesam öffne dich“ und schon schwingt meine Haustür freudig auf. Prima Sache das, muss ich anschließend wenigstens das Schloss nicht reparieren!

Laut Werbung spare ich Kosten für Heizung und Strom, erhöhe die Sicherheit, erleichtere mir das Leben und bin fortan selig und sorgenfrei. Alles durch die Vernetzung von irgendwie allem, was in meinem Haus entfernt mit Technik zu tun hat. Und gebe so eben dieser ganzen Technik die Möglichkeit, mich nach Herzenslust auszuspionieren. Ganz ehrlich, die NSA mit ihrer läppischen Telefonabhörerei ist ein Witz dagegen. Mein Haus, meine Burg, mein Rückzugsort weiß alles über mich und  meldet sämtliche Daten, deren es habhaft werden kann, an irgendwelche Datenkraken, die dann wer weiß was damit machen.

Schöne neue Welt? Nee, schöne blöde Welt. Statt smartes Verhalten an Phones und Homes outzusorcen, behalte ich es lieber selber. Es sein denn, die erfinden mal einen Smartkoch, der mich beim Nachhausekommen mit einem köstlichen Essen begrüßt und vorzugsweise auch Kenntnisse als Sommelier hat. Dann könnte ich noch mal über die ganze Sache nachdenken. Bis dahin nutze ich mein Smartphone in Maßen, betätige Lichtschalter zu Hause lieber selber und bleibe ein“ Smart-Me“!

 

 

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Em – und Im- und Umpathie

Vor kurzem durfte ich an einem besonderen Kongress teilnehmen.  Da gab es einen Vortrag über ein neues Wort zu einem alten Thema. Das neue Wort war: IMPATHIE. Viele Zuhörer waren sehr begeistert. Ich war sehr verwundert. Sicher wäre es gut, ich würde hier mal kurz das Konzept der Impathie erklären.

Die meisten Menschen können  mit dem Begriff Empathie etwas anfangen. Einfühlsam zu sein, sich gut in andere hinein versetzen zu können, die Fähigkeit zu Mitgefühl – all das verbinden wir mit empathischem Verhalten. Impathie ist nun genau das gleiche, nur auf uns selbst angewandt. Die innere Empathie sozusagen.

Ich finde den Begriff Impathie sehr passend. Auch die Erklärungen waren einleuchtend. Ich frage mich nun aber, worin sich diese neue Erkenntnis, dass wir auch empathisch mit uns selbst umgehen sollten,  von der alten Bibelweisheit „liebe deinen Nächsten wie dich selber“ unterscheidet. Vermutlich habe ich irgendetwas nicht mitgekriegt. Oder ich denke zu simpel. Ich bin ja generell eher einfach gestrickt. Nichts desto trotz hat mich das viele Nachdenken über Em- und Impathie auf einen ganz neuen Gedanken, und natürlich auch auf einen innovativen Begriff gebracht: UMPATHIE!

Die Umpathie ist das, was uns davon abhält, uns empathisch gegenüber unseren Mitmenschen zu verhalten, weil wir uns vor lauter Impathie blockieren.  Das geht so:

In einer Art Pingpong Spiel zwischen empathisch mit meinem Gegenüber mitschwingen und impathisch gucken, wie es mir dabei geht verliere ich die Spontaneität, die für mich eine gelungene Begegnung auszeichnet. Zum Beispiel kann ich nicht lässig die einzigen 20 Cent, die sich in meiner Hosentasche befinden, dem rockenden Straßenmusiker zuwerfen. Zwar zucke ich empathisch schon mit den Fingern, frage mich aber impathisch, wie ich mich mit 20 popeligen Cent fühlen würde. Wertgeschätzt? Wohl eher nicht. Bis ich das mit mir ausdiskutiert habe, bin ich schon im großen Bogen um den Straßenmusikant herumgelaufen. Der hätte sich aber vielleicht doch über 20 Cent gefreut, wer bin ich, das zu beurteilen? Blöderweise kehre ich nicht um, um das Geld doch noch loszuwerden. Klarer Fall von Umpathie!

 

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Schokokönige und Südseeküsse

Ein hoch auf die ZEIT. Ich  lese sie unregelmäßig aber mit größtem Vergnügen. Sie ist ein wahrer Quell und eine Inspiration, um meine Gedanken, die sonst eher unmotiviert in mir herumblubbern, zu bündeln und in Schriftform zu bringen.

So war in einer der letzten Ausgaben ein Interview mit unserer Familienministerin Christina Schröder zu lesen, in dem sie unter anderem über sprachliche „correctness “ philosophierte und erzählte, dass sie bei der Auswahl der Geschichten, die sie ihren Kindern vorläse, durchaus Sorgfalt walten lasse.  Pipi Langstrumpfs dicken, gemütlichen Papa (der übrigens in meinen Augen die ganz wunderbare Eigenschaft besitzt, seiner Tochter durch sein tiefes Vertrauen in ihre Fähigkeiten ein sehr wünschenswertes Selbstbewusstsein zu geben) nennt sie nicht mehr Negerkönig sondern Südseekönig und auch bei der Auswahl der Märchen wird darauf geachtet, dass der Gender-Aspekt zum Tragen kommt.

Nun schön, das ist Frau Schröders Erziehungstil  und geht mich weiter nichts an. Offensichtlich stellt sich jedoch bei anderen lesenden Wesen eine gewisse Verwunderung ein und es entspinnt sich ein Disput darüber, wie korrekt es ist, Worte zu verwenden, denen ein gewisser Makel anhaftet.  Es ist von „diskriminierender Sprache“ die Rede ohne dabei daran zu denken, dass Sprache nichts anderes als die Aneinanderreihung von Buchstaben ist, die meist mit schwarzer Tinte (gut, dass es sich hier um ein Adjektiv handelt, das klein geschrieben wird ,bei „Schwarzer“ wäre ich mir schon nicht sicher, ob sich hier  nicht ein rassistischer Aspekt versteckt) auf ein Stück Papier verbracht wird oder in Form von Schallwellen unserem Munde entströmt.

Haben Sie schon mal  von rassistischen Schallwellen gehört? Ich möchte hier an die mittlerweile auch in Wissenschaften wie der Psychologie angekommene Weisheit erinnern, dass die Bedeutung einer Botschaft nicht der Sender bestimmt, sondern der Empfänger. Rassismus entsteht nicht auf dem Papier, sondern in unseren Köpfen. Ich würde mir wünschen, dass wir mehr darüber nachdächten, was wir denken als darüber, ob wir von Negern oder Dunkelhäutigen reden sollen. Und statt blindem Aktionismus lieber einer augenzwinkernden Vernunft verfallen.

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