Schattenbanken und andere Versorger

Gestern habe ich im Fernsehen einen Bericht über Schattenbanken gehört. Ich verstehe die Finanzkrise nicht. Vermutlich bin ich der einzige nachrichtenhörende und halbwegs interessierte Mensch, dem immer noch nicht klar ist, wer für die Finanzkrise nun echt, echt, wirklich echt verantwortlich ist. Die gierigen Banker? Die panischen Politiker? Die Kultusministerien, weil sie die Sache mit der Bildung permanent versauen? Oder die Kirchen, die ihren Mitgliedern ethische Verhaltensweisen eher austreiben als einbläuen?

Wahrscheinlich ist es keiner von denen. Dinge passieren eben einfach. Das ist der Lauf der Welt. Und zum Glück gibt es ja nun eben die Schattenbanken. Wie die funktionieren, habe ich verstanden. Glaube ich. Es ist  nämlich so: die Lichtbanken – also die, zu denen wir täglich virtuell oder ganz in Echt hinpilgern und denen wir unser Geld anvertrauen – die bauen Mist. Kann ja vorkommen. Sind ja auch nur Menschen. Und um diesen Mist einer guten Verwertung zuzuführen, haben sie Schattenbanken gegründet. Die kehren den Mist zusammen, packen ihn auf einen Haufen und hoffen, daraus Dünger zu gewinnen. Manchmal klappts. Manchmal nicht. Ich bin nicht ganz sicher, was passiert, wenn es nicht klappt. Ich habe aber mal was von sogenannten Badbanks gehört. Es kann sein, dass die dann den nicht düngenden Dünger irgendwo verklappen. Der verschwindet dann in irgendeinem Geldstrom. Oder so.

Die Schattenbanken jedenfalls verrichten gute Arbeit. Gestern haben sie gesagt, die ganzen schlechten Misthaufen seien schon weg, man könne jetzt also davon ausgehen, dass das mit dem Düngen klappen könnte. Wenn es um Geld geht, sprechen die im Fernsehen ja meist im Konjunktiv….

Schattenbanken sind also eine prima Sache. Sie spinnen Stroh zu Gold. Wenn etwas schief läuft, biegen sie es gerade. Sie retten die Rettungslosen. So wie ich. Meine Tochter ist seit einer Woche im Austauschjahr. Sie verließ mich mit den Worten: „Mama, das ist mein Jahr, ich melde mich nur ganz manchmal, geh mir mit Mails und Apps bitte nicht auf die Nerven, ja? Hab dich lieb“.

Ich verstehe das Kind. So ein ganzes Jahr ohne elterliche Rat- und sonstige Schläge ist schon eine prima Sache. Ich habe mich in den 7 Tagen, die sie nun weg ist, auch dran gehalten und nur im Notfall bei ihr gemeldet. Zum Beispiel, um sie an den Geburtstag von Opi zu erinnern.

Man sagt ja immer, reisen bildet und die Kinder kommen nach so einem Jahr ganz verändert und erwachsen wieder. Meine Kinder sind hoch intelligent- bei denen ist es schon nach 1 Woche soweit. Meine Tochter meldet sich dauernd  ganz von allein. Zum ersten Mal, weil sie wissen wollte, was es heißt, nach einem dreistündigen Ausflug ohne Wasser, jetlag geplagt und in klimatisch doch leicht anderen Bedingungen, sich schwindelig zu fühlen. Zum zweiten Mal, weil sie die Oma nicht erreichen konnte, ich solle sie bitte anrufen damit sie – die Oma – in skype online gehen könne. Zum dritten Mal, um mir mitzuteilen, dass auf ihrer Kamera die Info „Fehler“ erscheint und was sie da nun tun solle. Zum vierten Mal, weil sie eine Kopie ihrer Geburtsurkunde braucht. Das war gestern Nacht. Um kurz nach zwölf. Ich schlief schon. Also vorher!

Ich liebe mein Kind. Und ich bin stolz auf sie. Das, was die Finanzwirtschaft erst mühsam in einer Krise lernen musste, hat sie schon längst herausgefunden: jeder braucht einen Mist-zu-Dünger Verwandler. Ich bin die Schattenmama 🙂

 

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