Hast du sie schon alle oder googelst du noch?

Man weiß ja nie, ob man sie schon alle hat. Die Informationen, die man braucht.  Während man früher entschlossenen Schrittes zum Bücherregal ging und den Brockhaus oder ein anderes Nachschlagewerk befragte,  drückt man heute auf die „Enter“-Taste und der Abend ist gelaufen.

Überhaupt, ist Nachschlagewerk nicht ein herrliches Wort? Ein „Werk“, so monumental, beeindruckend, gedanklich hänge ich ein „Meister“ davor. Und  ich habe Anteil daran indem  ich darin eben nachschlagen kann. Schlagen hat ja was mit Kraft zu tun, mit Macht mit….. ach so ein Wälzer in der Hand gibt mir einfach ein gutes Gefühl. Leider sind die ja vom Aussterben bedroht, Bücher im Allgemeinen und Lexika im Besonderen.

Aber, man muss ja mit der Zeit gehen und so sitze ich vor meinem PC, die Informationsflut schlägt über mir zusammen und ich gehe mit Mann und Maus unter. Versinke im Strudel der Einträge, klicke mich von hier nach da, von Seite  zu Seite. Plötzlich aber taucht aus den Untiefen des Netzes ein Satz auf,  springt mich  an, verlangt stürmisch gelesen zu werden und ich vertiefe mich dankbar.

Ich lese also bis zum ersten blau markierten Link, der mich auf weitere Informationssplitter verweist, zögere kurz, soll ich oder nicht?.  Aber nein, ich bleibe dem Artikel treu, lese weiter bis….. ja bis auf einmal die ersten Zweifel aufkommen. Stimmt das, was ich da lese? Wer hat es geschrieben, wer redigiert und geprüft?  Also zurück zum Link und ohne es zu merken befinde ich mich in dem, was ich das Google-Dilemma nenne: ich irre durch die virtuelle Wissenswelt auf der Suche nach der Bestätigung, dass meine erste gelesene Information auch wirklich-wirklich ganz ehrlich und bestimmt stimmt!

Nach mehreren Stunden sinke ich geschwächt vom Sessel. Mein Bauch hat wegen fehlender Nahrungsaufnahme deutlich an Umfang abgenommen – was ja unter Umständen nicht das Schlechteste ich – aber mein Wissensdurst leider auch!

Nein, so praktisch ich es auch finde, mal eben fix was googeln zu können (den Bahnfahrplan zum Beispiel), ich bleibe dem papiernen Wort treu. Kürzlich habe ich meine Bibliothek auf- und umgeräumt. Und alle inhaltlich gewichtigen Bücher, Lexika, Duden und Atlanten ins Sichtweite ganz nach vorne gestellt.

Den Anfang in der Reihe macht „Mein allererstes Lexikon“ – mit vielen bunten Bildern!

like and share

Der Apfelkuchen Effekt

Es ist ein Phänomen: manchmal sind wir hoch effektiv, arbeiten zügig, entscheiden  schnell und zu anderen Zeiten zögern wir mit einer unglaublichen Entschlossenheit alle mögliche Entscheidungen hinaus, überlegen, wägen ab, finden wichtiger Dinge zu tun – kurz, wir verhalten uns, als wären wir beim Casting für die Hauptrolle in  Samuel Becketts  „Warten auf Godot“.

Wie die Darsteller in Godot er-finden auch wir in dieser Warteschleife dringende Aufgaben, die uns davon abhalten, uns mit dem anliegenden Thema auseinander zu setzen. Ich habe zum Beispiel eine ganze Palette von solchen Tätigkeiten: Bügeln, endlich die Marmelade aus den seit einem Jahr eingefrorenen Früchten kochen, im Internet  nach dem neuen PC suchen, zu dessen Kauf ich mich nun schon seit Monaten nicht entschliessen kann……das kreative Ausweichen setzt zu ungeahnten Höheflügen an. Nur weiter bringt uns das nicht – glauben wir.

Also ab in die Aktivität, energisch packen wir die Probleme des Alltags an, befassen uns endlich mit der Steuererklärung, den Urlaubsprospekten,  und wollten wir nicht doch noch eine Fortbildung machen? Äh.. in welchem Bereich noch mal? Egal, Entscheidung tut not, WIR lassen uns doch nicht von Unsicherheit und Unentschlossenheit behindern, überwältigen, niederdrücken! Ha, dem Mutigen gehört die Welt!

Natürlich gibt es Situationen, wo eine schnelle Entscheidung geradezu geboten ist. Oder vernünftig. Wer will schon von mittags bis Ladenschluss vor dem Marmeladenregal stehen und Menge, Preise und Inhaltsstoffe vergleichen?

Wenn es aber um Lebensentscheidungen geht, wie zum Beispiel, welche berufliche Richtung man einschlagen soll, sollte man sich – sofern unsicher ob der Wahl der Möglichkeiten – ruhig etwas Zeit nehmen.  Zeit, die uns in unserer hektischen Gesellschaft oft nicht gegönnt wird. Man denke nur an das umstrittene G8. (Als ich meinen Schulabschluss gemacht habe war ich 19 Jahre alt  und noch  keineswegs sicher, was ich mal werden will. Wie kann ich da von meinen Kindern erwarten, dass sie das mit 17 wissen? Und möchte ich wirklich von einem Arzt behandelt werden, der zwar ein bombiges Abi nebst Studium hingelegt hat, aber mit drei- oder vierundzwanzig Jahren über nur wenig Lebenserfahrung verfügt?)

Hier kommt nun der Apfelkuchen Effekt ins Spiel:

Wenn Sie einen Hefekuchen backen wollen, der dann möglichst auch leicht und locker wird, gilt es nicht nur, alle Zutaten zusammen zu mischen, sondern auch, dies in einer bestimmten Reihenfolge zu tun. Sie können ja mal ausprobieren was passiert, wenn Sie die Eier erst dann zum Teig geben, wenn dieser schon fertig geschlagen ist…… Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, mit viel Liebe und Mühe wird dann doch noch ein vernünftiger Teig daraus, aber, es dauert……. unendlich viel länger!

Und wenn Sie sich selbst und besagtem Teig nicht zwischendurch die Zeit gönnen, in der er „gehen“ (oder „reifen“) kann, dann wird daraus zwar vermutlich noch ein essbarer Kuchen, aber doch nur eine Kümmerversion dessen, was er hätte werden können, hätte man ihn gehen lassen……

Wenn du es eilig hast, gehe langsam“ sagt ein chinesisches Sprichwort.

In Zeiten, wo wir das Gefühl haben, jetzt aber endlich, endlich, endlich eine Entscheidung treffen zu müssen (und nicht sosehr, treffen zu dürfen), sollten wir an diesen klugen Satz denken. Ich stelle mir dann zwei Apfelkuchen vor, einen, der nirgendwohin gehen durfte und einen, der Zeit genug hatte, sich zu entwickeln……

Welchen hätten Sie wohl lieber auf dem Teller?

like and share

Erwachsen??

 

Mit Kindern in einem Alter, wo sie nicht mehr „Kinder“ genannt werden wollen, sich aber durchaus noch ab und zu, vielleicht so 3-5 Mal täglich, bei Bedarf gern auch öfter,  eben in Ausnahmesituationen oder Notfällen, wie gesagt – eher selten- , wie welche verhalten, suche ich immer wieder nach Methaphern und Erklärungsmodellen für so abstrakte Dinge wie Erwachsen sein.

Aus aktuellem Anlass, den ich hier nicht  weiter ausführen will, saß ich gestern Nacht, oder eher heute Früh, also so gegen ein Uhr, wach im Bett.  Und wie aus dem Nichts kam ein Gedanke vorbeigesegelt,  der mich so frech angrinste, dass ich ihn festhielt und mich in einen inneren Dialog mit ihm verstrickte.

Gemeinsam haben wir versucht, folgende Frage zu beantworten:

Was ist der Unterschied zwischen einem Kind, einem Wesen in der Pubertät und einem Erwachsenen?

Antwort: Verantwortung

Während ein Kind mit zunehmendem Alter ein wenig Verantwortung, meist für „Dinge“ oder auch für sich, übernehmen kann und darf, besteht die Phase der Pubertät ja geradezu darin, keine Verantwortung für irgendetwas oder jemand zu übernehmen. Das ist für diese „Wesen“ ein ganz wunderbarer Zustand, für die beteiligte Umwelt aber  nur mit viel Humor und Liebe zu ertragen.                         Ab einem gewissen Alter (es kann irgendwo zwischen 12 Jahren und weit-weit-weg liegen) beginnt aber die Verantwortung sich wieder in das Leben der „Pubies“ zu schleichen.  Allerdings beschränkt sich diese dann in der Regel auf das verantwortungsbewusste Mailen und Chatten mit den Freunden, die sich  gerade in den verschiedenen Stadien von Liebeskummer, Elternfrust oder Schulunlust befinden.

Diese Gedanken führten mich, wie gesagt mitten in der Nacht, zu dem Fazit:

Erwachsen ist man, wenn man Verantwortung für sich, für die Menschen, die man liebt und für die, auf die man gerade nicht soviel Lust hat mit denen man aber nichts desto trotz in einer Beziehung steht, übernimmt.

Zu nächtlicher Stunde, geprägt von einem Glase Wein und  der Lektüre von Karl May´s „Durch die Wüste“ (übrigens immer wieder lesenswert, ist wie besagter Wein, wird mit dem Alter immer besser ) fand ich diese Erkenntnis ziemlich cool.

Heute morgen habe ich sie an meinen Kindern erprobt.  Sie fanden sie ziemlich einleuchtend. Es scheint, sie werden erwachsen – sie übernehmen Verantwortung für das Wohlbefinden von mit ihnen in Beziehung stehender Menschen und wollen mich glücklich machen!:-)

like and share

„gegen“ – mein Lieblingswort der Woche

Wir sind gegen alles. Irgendwie jedenfalls. Zumindest sind wir erst mal nicht dafür.

Gegen etwas zu sein ist in. Gegen Atomkraft. Gegen das Rauchen. Gegen Kopfschmerzen und gegen das Älterwerden. Es gibt Bücher zu Hunderten die gegen etwas sind. Klopfen gegen Lampenfieber, Feng Shui gegen Gerümpel,Methoden  gegen Angst,  gegen Stress und Burnout, ja sogar ein Buch gegen dumme Sprüche…….

Und vieles geht uns gegen den Strich.  Dieser schlaue Satz kommt daher, dass man Tiere nicht gegen den Strich streicheln soll. Angeblich. Das mögen sie nicht. Angeblich. Vielleicht könnte das mal jemand meiner Katze sagen? Die verlangt nämlich regelrecht danach andersrum gestreichelt zu werden. Die ist für (gegen) den Strich, eindeutig.

Diese „gegen“-Mentalität hat einen Bruder, oder, im Zuge der Gleichberechtigung (soll ja keiner sagen, ich wäre gegen die Emanzipation) eine Schwester, jedenfalls einen Anverwandten. Den/ie „mach – das – weg“ Cousin/e.

Wir wollen die Baustellen weg haben, die Rückenschmerzen, die schlechte Laune, den Regen, die Hitze, die unfähigen Lehrer, die pubertierenden Schüler, die Verkehrsstaus, die Ampeln, die Gülle, die Probleme.

Vor einigen Jahren wollte ich das Unkraut in meinem Garten weg haben. Ich habe mich tagelang krabbelnd über den Rasen bewegt und Löwenzahn, Klee und Giersch ausgestochen und  w e g getan. Ich war sehr stolz auf mich und mein Rasen war sehr äh.. nun ja, löcherig.  Ich habe nachgesät und die Vögel wollten den Samen weg haben. Sie waren erfolgreich.  Im Jahr darauf war mein Rasen immer noch löcherig und ich wollte die Löcher weg haben.  Da habe ich einfach das Unkraut wachsen lassen….. es macht nämlich schön grün.

Daraus habe ich gelernt. Bevor ich wieder was weg haben will frage ich mich erst mal, wofür ich es überhaupt habe. Ich frage absichtlich nicht, warum.  Ich will wissen, wofür. Wofür ist es gut, das, was ich nicht haben will?

Nein, ich finde nicht immer eine befriedigende Antwort darauf. Aber dann bin ich nicht gegen meine Einfallslosigkeit sondern für mein Telefon. Mit dem rufe ich nämlich eine Freundin an. Mit der quatsche ich dann – manchmal ziemlich lange. Und manchmal hat auch die keine Idee. Aber ich weiß dann, wofür sie war, meine Einfallslosigkeit. Für die Freundschaft.

like and share