Schokokönige und Südseeküsse

Ein hoch auf die ZEIT. Ich  lese sie unregelmäßig aber mit größtem Vergnügen. Sie ist ein wahrer Quell und eine Inspiration, um meine Gedanken, die sonst eher unmotiviert in mir herumblubbern, zu bündeln und in Schriftform zu bringen.

So war in einer der letzten Ausgaben ein Interview mit unserer Familienministerin Christina Schröder zu lesen, in dem sie unter anderem über sprachliche „correctness “ philosophierte und erzählte, dass sie bei der Auswahl der Geschichten, die sie ihren Kindern vorläse, durchaus Sorgfalt walten lasse.  Pipi Langstrumpfs dicken, gemütlichen Papa (der übrigens in meinen Augen die ganz wunderbare Eigenschaft besitzt, seiner Tochter durch sein tiefes Vertrauen in ihre Fähigkeiten ein sehr wünschenswertes Selbstbewusstsein zu geben) nennt sie nicht mehr Negerkönig sondern Südseekönig und auch bei der Auswahl der Märchen wird darauf geachtet, dass der Gender-Aspekt zum Tragen kommt.

Nun schön, das ist Frau Schröders Erziehungstil  und geht mich weiter nichts an. Offensichtlich stellt sich jedoch bei anderen lesenden Wesen eine gewisse Verwunderung ein und es entspinnt sich ein Disput darüber, wie korrekt es ist, Worte zu verwenden, denen ein gewisser Makel anhaftet.  Es ist von „diskriminierender Sprache“ die Rede ohne dabei daran zu denken, dass Sprache nichts anderes als die Aneinanderreihung von Buchstaben ist, die meist mit schwarzer Tinte (gut, dass es sich hier um ein Adjektiv handelt, das klein geschrieben wird ,bei „Schwarzer“ wäre ich mir schon nicht sicher, ob sich hier  nicht ein rassistischer Aspekt versteckt) auf ein Stück Papier verbracht wird oder in Form von Schallwellen unserem Munde entströmt.

Haben Sie schon mal  von rassistischen Schallwellen gehört? Ich möchte hier an die mittlerweile auch in Wissenschaften wie der Psychologie angekommene Weisheit erinnern, dass die Bedeutung einer Botschaft nicht der Sender bestimmt, sondern der Empfänger. Rassismus entsteht nicht auf dem Papier, sondern in unseren Köpfen. Ich würde mir wünschen, dass wir mehr darüber nachdächten, was wir denken als darüber, ob wir von Negern oder Dunkelhäutigen reden sollen. Und statt blindem Aktionismus lieber einer augenzwinkernden Vernunft verfallen.

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Powerlesen, Powershoppen, Powerbloggen?

In der ZEIT vom 29.11.2012  gab es das ABC der Wissbegierde, 26 Fertigkeiten, die Sie schon immer lernen wollten.

Da stand unter E: Entschleunigung, machen Sie doch alles einfach etwas langsamer. Fand ich gut.

Unter P stand dann: Powerlesen. Mit Technik und Training Texte in der Hälfte der Zeit lesen. Und trotzdem verstehen. Fand ich nicht so gut. Erinnert mich an den Begriff des Power-Shoppens, kurz aber heftig. Wo bleibt da das sinnliche Erleben??

Warum soll ich für etwas, das mir Spaß macht, weniger Zeit investieren? Okay, ich gebe zu, ich bin ein Leserattenbücherwurm. Und auch der Meinung, das Lesen bildet. Und uns vor Langeweile bewahrt. Bücher regen zur Diskussion an und da es ja hinlänglich bekannt ist, dass die Redezeit in Familien dramatisch abnimmt, wären Gespräche über Geschriebenes doch durchaus wünschenswert. Also plädiere ich fürs Lesen, wann und wo auch immer, in jeder Form und Ausprägung aber auf jeden Fall bitte mit Genuss. Bildhaft gesprochen, wie würden Sie einem Text lieber zu Leibe rücken, im Ohrensessel mit Cappuccino oder am Stehpult mit Espresso?

Warum  also Powerlesen? Wäre das vielleicht hilfreich für diejenigen unter uns, die a) viel Fachliteratur lesen müssen oder b) überhaupt nicht gern lesen? Aber würde Powerlesen die Freude am Wort nun fördern oder eher behindern? Wie kann ich Vergnüngen am geschriebenen Wort finden, wenn ich durch den Text hetze und dabei vielleicht die eine oder andere Wendung, die mich bereichern könnte, überlese, da sie für das Textverständnis nicht wichtig ist? Das erscheint mir extrem schwierig zu sein. Ich glaube, wichtiger als die Fähigkeit des Powerlesens zu entwickeln wäre die des Dauerlesens. Denn wer viel liest lernt ganz nebenbei, auch mal einen Text  auf Schlüsselworte hin zu überfliegen.

Zum Abschluss aber hier mal ein Power-Blogg-Eintrag zum Thema dieses Artikels:

Lese lieber langsam!

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