Zück mal fix dein Smartphone ….

Mein Vater hat sein ZEIT-Abo gekündigt. Ein Jammer, denn die ZEIT ist ein wunderbarer Erziehungsratgeber für Eltern, die mit der überbordenden Technik-Affinität ihrer Kinder auf Kriegsfuß stehen. Ich gehöre da definitiv dazu. Ich stehe nicht nur auf Kriegsfuß, ich habe längst sämtliche Kriegsbeile ausgegraben, die ich finden konnte und versuche meine beiden Sprößlinge mit Rothaut-reifen Drohgebärden einzuschüchtern. Und wenn schon nicht einzuschüchtern, dann wenigstens zu beeindrucken. Oder zumindest vielleicht ein wenig zum Zuhören zu bringen?

Auf Beutezug war ich auch schon. Mehrfach. Diverses Computerzubehör, Netzkabel, Tastaturen und ähnliches wurden von mir  erbeutet und versteckt. Ach was sage ich, versteckt. Verschleppt wurden sie. Ausgelagert. Über Wochen und Monate unauffindbar. Hat aber nix genutzt.  Meine Kinder haben sich einfach ein altes Laptop von nem Freund geliehen (manchmal greifen sie auch zu einem Buch. Ehre, wem Ehre gebührt.) und nennen mich nun liebevoll mitleidig lächelnd „die wegen dem PC heult“.

Abgesehen von der Tatsache, dass ich der, zugegebenermaßen leicht veralteten, Vorstellung anhänge, meine Kinder könnten wenigstens ein bisschen Zeit mit Schularbeiten statt mit chatten und zocken verbringen, habe ich Probleme mit der ungezügelten Datenherumschmeißerei im Netz. Und das nicht erst seit Edward Snowden. Meine Phobie reicht so weit, dass ich mich lieber auf´s Fahrrad setze und 20 Minuten zu meiner Bank strampele, statt online zu banken. Besonders meine Tochter hat dafür nicht nur Null sondern Minus-Verständnis. Kennen Sie diesen Tonfall, in dem Pubertierende ein genervtes „Oh Mutter“ ausstoßen? Genau!

Aber heute, mit dem Lesen eines ZEIT Artikels im Wirtschaftsteil über die Möglichkeit, mit dem Smartphone bei Netto, Lidl und Co zu bezahlen hat sich mir endlich eine Tür in die wundervolle neue Datenwelt geöffnet. Und sie ist schön! Voller unendlicher Möglichkeiten. Big Brother and little sister are watching you….. und sie schicken auch noch Post zu dir nach Hause. Da war die Rede von einem Vater in USA, der sich bei einer Supermarktkette darüber beschwert hat, dass seine Tochter (sie geht in die Highschool, muss also genau im richtigen Pubertätsalter sein) neuerdings Werbung für Kleinkinderklamotten und Produkte für Schwangere bekomme. Klar, die hatten das Einkaufsverhalten der – Achtung, jetzt kommts – mit dem Smartphone bezahlenden Tochter ausgewertet und die richtigen Schlüsse gezogen. Hätte der Vater auch immer per Smartphone bezahlt, hätten sie ihm vermutlich auch gleich ein Glückwunschkarte zum Opa-Dasein geschickt, denn die Tochter erwartete tatsächlich ein Kind!

Okay, ich gebe zu, hier wäre die Reaktion der Eltern sowieso zu spät gekommen. Aber was könnte man als Eltern nicht alles aus solchen personalisierten Werbeprospekten herauslesen, was die Kinder einem ganz bestimmt niemals nicht freiwillig erzählen würden? Bunte Bildchen über Sex and Drugs and Rock´n Roll würden einen doch stutzig machen, oder? Und auch, von WEM die Werbung kommt ist doch höchst aufschlussreich, manche Geschäfte gibt es bei uns in der Stadt gar nicht. Hm, wie sind die dahin gekommen? Und vor allem wann? Während der Schulzeit etwa? Ach, herrlich, ich verwandele mich vom Technikphobiker zum Technikfreak, beeindrucke damit meine Gören und habe sie anschließend komplett unter Kontrolle. Ich gehe gleich los und kaufe ihnen ein Smartphone…

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