Smarthome – irgendwie unsmart…

… zumindest, wenn man mal näher darüber nachdenkt. Aber halt, Smartphones kennen wir ja inzwischen alle, was aber ist ein Smarthome, ein schlaues Haus?

Man könnte meinen, ein Haus, das mitdenkt, ist eine prima Sache. Ich kann von unterwegs die Heizung ein- und ausschalten, die Beleuchtung ebenfalls. Wenn ich auf eine Paketsendung warte und dem Postboten genügend vertraue, kann ich getrost im Wald joggen und wenn er da ist, ihm von dort die Tür öffnen. Zumindest wenn ein Funkmast in Reichweite ist. Meine Nachbarn kann ich prima ärgern:  ich schiebe zu Hause eine CD der Kastelruther Spatzen ein und setze mich gemütlich um die Ecke ins Cafe. Da touche ich irgendwo auf meinem smarten Phone auf „on“ und schon dröhnen den Nachbarn die Ohren. Mein Kühlschrank meldet mir, dass der Wein alle ist oder der Käse gerade abläuft. Möglichst, während ich durch die Savannen Afrikas auf der Suche nach den Big Five rumpele. Super, wie hätte ich die Safari ohne diese Information nur überstanden?  Oder ich erfinde eine automatische Katzenfutterstation, dann ist auch ein dreimonatiger Auslandsaufenthalt kein Problem. Ok, meine Katze erkennt mich nicht mehr und hat wegen mangelnder Zuwendung sämtliche Wände und Möbel mit Kratzspuren verziert. Aber hey, dafür war ich voll autark voll weit weg. Ausser meinem Tablet oder Smartphone brauche ich als stolzer Besitzer eines Smarthomes niemanden mehr, kann ich alles von Hintertupfingen aus selbst regeln.

Aber abgesehen davon, dass die ohnehin schon fast brachliegenden nachbarschaftlichen Beziehungen dann ganz den Bach runtergehen, warnen Datenschützer vor den unübersehbaren Kontrollmöglichkeiten , die meine eigenen vier Smarthomewände plötzlich über mich haben. So soll die Tatsache, dass ich als Hausbesitzer von unterwegs aus Lampen, Rolläden und das Fernsehprogramm steuern kann, mich vor Einbrechern schützen – in ein bewohntes Haus, in dem gerade offensichtlich eine Party steigt, steigt ein smarter Dieb ja nicht ein. Blöd nur, dass ich mit meinem smarten Home dazu beitrage, dass Langfinger neue und ungefährlichere Methoden des Einbrechens entdecken. Genau genommen brechen sie gar nicht mehr, sie klicken. Oder eher, sie touchen. Einen Punkt auf dem Display ihres Tablets. Dann murmeln sie, wenn sie mit einem Quäntchen Humor und etwas Allgemeinbildung gesegnet sind „Sesam öffne dich“ und schon schwingt meine Haustür freudig auf. Prima Sache das, muss ich anschließend wenigstens das Schloss nicht reparieren!

Laut Werbung spare ich Kosten für Heizung und Strom, erhöhe die Sicherheit, erleichtere mir das Leben und bin fortan selig und sorgenfrei. Alles durch die Vernetzung von irgendwie allem, was in meinem Haus entfernt mit Technik zu tun hat. Und gebe so eben dieser ganzen Technik die Möglichkeit, mich nach Herzenslust auszuspionieren. Ganz ehrlich, die NSA mit ihrer läppischen Telefonabhörerei ist ein Witz dagegen. Mein Haus, meine Burg, mein Rückzugsort weiß alles über mich und  meldet sämtliche Daten, deren es habhaft werden kann, an irgendwelche Datenkraken, die dann wer weiß was damit machen.

Schöne neue Welt? Nee, schöne blöde Welt. Statt smartes Verhalten an Phones und Homes outzusorcen, behalte ich es lieber selber. Es sein denn, die erfinden mal einen Smartkoch, der mich beim Nachhausekommen mit einem köstlichen Essen begrüßt und vorzugsweise auch Kenntnisse als Sommelier hat. Dann könnte ich noch mal über die ganze Sache nachdenken. Bis dahin nutze ich mein Smartphone in Maßen, betätige Lichtschalter zu Hause lieber selber und bleibe ein“ Smart-Me“!

 

 

like and share