Zu den Smart-Meter Plänen des BWM sage ich ganz unsmart….

…bleibt mir doch mit euren scheiß Ideen vom Leibe!

Vor noch nicht einmal einem Jahr, im Dezember 2014, habe ich mich hier darüber ausgelassen, wie bescheuert ich die Smarthome Ideologie finde. Und ja, in der Tat, nach meinem Empfinden kann man hier schon von Ideologie sprechen. Nur zur Info, hier eine Definition aus dem Duden: Ideologie ist

  1. an eine soziale Gruppe, eine Kultur o. Ä. gebundenes System von Weltanschauungen, Grundeinstellungen und Wertungen
  2. politische Theorie, in der Ideen der Erreichung politischer und wirtschaftlicher Ziele dienen (besonders in totalitären Systemen)
  3. weltfremde Theorie

Passen tun alle, aber am meisten Charme hat für mich die Nummer drei 🙂

Jetzt geht das Ganze nämlich munter weiter. Einem kleinen, ganz kleinen, so eher Lückenbüßerartikelchen der ZEIT vom 24.09.15 entnehme ich, dass das Bundeswirtschaftsministerium sich nicht entblödet, einen Zwangseinbau der sogenannten Smart Meter zur heimischen Stromzählung anzudenken. Laut Verbraucherzentrale steht im Gesetzesentwurf, dass ab 2017 alle Großverbraucher  und ab 2020 auch alle Privathaushalte mit den Dingern zwangsbeglückt werden sollen.

Netzbetreiber reiben sich vermutlich schon die Hände, denn sie sollen auch kleine Haushalte, unter 6000 KW/h im Jahr nach eigenem Ermessen mit den smarten kleinen Scheisserchen ausstatten dürfen. Ohne Widerspruchsmöglichkeit der Wohnungs- und Hausbesitzer! Das führt  dann zu einer zusätzlichen Rechnung für die Eigentümer. Neben der Stromkostenabrechnung gibt es dann noch eine Art „Du-wolltest-sie-nicht-kriegst-sie-aber-trotzdem“ – Rechnung für den Smart Meter. So um die 100 Euro pro Jahr werden veranschlagt.

Aber, hey, die spare ich ja locker ein, weil der Smart Meter mir ja irgendwie die „perfekte Energietransparenz“ bringt. Toll! Und durch die digitale Erfassung kann ich JEDERZEIT von ÜBERALL per Internet meinem Stromverbrauch zu gucken. Und ihn analysieren. Bestimmt mit haufenweise bunten Bildchen – also grafisch phantastisch aufgearbeitet. Noch toller! (Wobei, wenn ich recht darüber nachdenke, bei dem Angebot im Fernsehen könnte das glatt eine Alternative werden…)

Außerdem wird durch die Digitalisierung der Verwaltungsaufwand bei den Stromversorgern deutlich einfacher. Somit kostengünstiger. Sicher gibt es schon Umschulungspläne für die Mitarbeiter: wer bisher im Büro über den Abrechnungen brütete, fährt demnächst mit – vermutich seinem Privatwagen, weil als Ich-AG selbständig Outgesourcster – durch die Gegend um (un) willigen Stromverbrauchern den Smart Meter einzubauen. Oder aber, die Kostenersparnis wird über günstigere Tarife an die Verbraucher weiter gegeben. Hm, da schaun mer mal….

Ganz sicher leisten die Dinger aber Detektivarbeit, sie spüren nämlich die heimlichen Stromfresser auf, diese kleinen, fiesen, dreckigen Monster. Nicht ausgeschaltete Computer zum Beispiel. Oder Fernseher, die den lieben langen Tag im Standby Modus schlummern. Insofern leisten die Smart Meter einen extrem wichtigen Beitrag zur Energiewende.So kostet laut energiesparen-im-haushalt.de ein nicht zur Gänze ausgeschalteter Fernseher neu (alt) 2 (10) Euro, ein Kaffeevollautomat 6 Euro und ein PC+Monitor+Drucker ganze 16 Euro. Im Jahr! Ist doch klar, dass wir da in Deutschland dringend und erzwungen einen neuen Stromzählapparillo brauchen. Und natürlich wird sich jeder Eigentümer sofort um die Behebung des Standby Problems bemühen, wenn er diese Zahlen sieht!

Ok, bleibe ich mal fair. Was sie wohl tatsächlich können ist, festzustellen, wann, wer, wieviel Strom braucht, so dass die Versorgungswege und die Einspeisung von Wind- und Sonnenenergie optimiert werden kann.

Ich bin ja auch nicht gegen neue Techniken. Sicher machen diese Messgeräte in vieler Hinsicht Sinn und dann sollen sie auch genutzt werden. Aber doch bitte freiwillig!!

Ich mag mich nicht vom Staat per se für ein bisschen dumm erklären lassen und denke, ich bin ganz gut in der Lage, selbst für eine, mein Haus betreffende, gute und sinnvolle Energiepolitik zu sorgen.  Und nein, ich hänge auch keinen Verschwörungstheorien an, obwohl ich zugeben muss, dass mir die Lektüre von „Blackout“  von Marc Elsberg schon zu denken gegeben hat.

Es ärgert mich, dass wir immer wieder zu irgendwelchen Dingen gezwungen (und wenn nicht das, dann doch „genudget“) werden sollen, als wüsste der Staat, der ja auch nur aus fehlbaren Politikern besteht, so vieles besser und der mündige Bürger ist so was wie ein gesellschaftspolitischer Mythos.Im Grund sind wir alle Pumuckels: ganz niedlich aber nicht vertrauenswürdig.

Und deshalb bleibe ich bei meiner Aussage, auch wenn es sprachlich nicht gerade von feiner Erziehung zeugt (Mutti, du bist NICHT schuld!), ich will die Schei…, okay, die Mistdinger nicht haben!

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Des Kaisers neue Kleider – Reloaded

Es waren einmal ein Minister und ein Werkzeugmacher, die lebten in einem Land, wo die Menschen gern an das Gute glaubten und vielleicht sogar, nun ja, sagen wir, ein wenig leichtgläubig waren. Der Minister war sehr eifrig und sehr ehrgeizig. Er wollte seinem Land treu dienen. Der Werkzeugmacher war sehr geschickt in seiner Arbeit. Seine Werkzeuge wurden über die Landesgrenzen hinaus gelobt und er trieb Handel mit vielen andern Ländern.

Eines Tages geschah es, dass das Land seine Soldaten neu ausrüsten  musste. So ging der Minister zu dem Werkzeugmacher und bat ihn, eine Waffe zu entwickeln, die den Soldaten bei der Verteidigung des Landes gute Dienste leisten solle. Das tat der Werkzeugmacher und seine Waffe wurde berühmt und bald erhielt er so viele Aufträge aus der ganzen Welt, dass er seine Handwerksstube vergrößerte und vergrößerte und vergrößerte, bis er seinem ganzen Dorf Beschäftigung und Wohlstand brachte.

Als aber alle Welt mit seinen Waffen ausgerüstet war, ging es mit seinem Geschäft bergab. Natürlich hatte er Aufträge für andere Werkzeuge, aber sie konnten den Wohlstand, der inzwischen Einzug gehalten hatte, nicht garantieren. Und der Werkzeugmacher und alle Bewohner des Dorfes, denen er Arbeit gab, hatten sich daran gewöhnt, sich alles leisten zu können, worauf sie Lust hatten.

So überlegte und überlegte und überlegte der Werkzeugmacher, wie er wieder mehr Arbeit und Goldtaler herbeischaffen könne. Und eines Tages kam ihm ein Gedanke: was wäre, wenn die Waffe gar nicht so gut wäre, wie man bisher gedacht hatte? Hatte es nicht schon Beschwerden gegeben? Könnte man diese nicht ein wenig aufbauschen? Natürlich nur, wenn er ganz klar machen könnte, dass diese Mängel nicht in seiner Verantwortung lägen. Also jedenfalls nicht so richtig. Und selbst wenn, wer wolle ihm das beweisen?               Und wenn dann die ganze Welt ganz viel über diese plötzlich ganz untauglichen Waffen sprechen würde, wie lange würde es dann dauern, bis neue Waffen gebraucht würden?

Und was gut für ihn wäre, wäre gut für das Dorf und was gut für das Dorf wäre, wäre gut für das Land. Und so ging er zu dem Minister und sie führten ein langes, freundschaftliches Gespräch, denn sie waren seit vielen Jahren gut miteinander ausgekommen.

Und tatsächlich begannen die Herolde überall in den Städten und Dörfern zu verkünden, dass die alte Waffe gar nicht so gut sei, wie sie bisher geglaubt hatten. Ja, plötzlich seien Probleme diverser Art aufgetaucht, eigentlich sei sie ganz und gar untauglich und sogar gefährlich für die Soldaten, die sie benutzen mussten.                                                      Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer im ganzen Land, ja in der ganzen bekannten Welt. Der Werkzeugmacher wehrte sich erfolgreich gegen die Anschuldigung, er habe schlecht gearbeitet. Schließlich habe bisher jeder seine Waffe gelobt und für die veränderten Bedingungen könne er nichts. Er war sehr überzeugend – und wer könnte schon sagen, ob er nicht auch Recht hätte?

Und so kam nach einiger Zeit  der Minister zu dem Werkzeugmacher und bat ihn, eine neue Waffe zu bauen, weil die Soldaten die Alte nicht mehr benutzen konnten und  sie weg geworfen hatten.

Und der Werkzeugmacher erhielt 18 Millionen Taler.                                                         Und er und die Dorfbewohner freuten sich über diesen Goldregen, der ihnen für lange Zeit weiteren Wohlstand garantierte.

 

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Die neue Qualität der achtsamen Berichterstattung

Man hört es in den Nachrichten. Man liest es in den Schlagzeilen der Zeitungen, in den Berichten der Onlinepresse, es tickert als News über den Bildschirm:

Die neue Qualität der Bedrohung.                                                          Die neue Qualität des Terrors                                                                Die neue Qualität der Angriffe auf  Asylbewerber                                    Die neue Qualität in der virtuellen Kriegsführung                                     Die neue Qualität der Flüchtlingsströme…… usw, usw, usw.

Das bereitet mir seit einiger Zeit Kopfschmerzen. Und Unbehagen. In meiner Vorstellung hat Qualität etwas mit Verbesserung zu tun. Damit, dass Produkte, Abläufe, Prozesse vom nicht ganz so Guten in etwas deutlich besseres versetzt werden. Wie zum Beispiel in:

Qualitätsprodukt, Qualitätsarbeit, Qualitätsmanagement, Qualitätssiegel und, ganz besonders nett, der Qualitätswein.

Ich meine  mich zu erinnern, dass ich früher Schlagzeilen gelesen habe, da ging es um eine neue Qualität der Autos, der Computer, der Videokameras. Aber wer weiß, es könnte ja sein, dass mein Verständnis des Wörtchens „Qualität“ ein falsches ist? Also habe ich in Lexika und bei Wikipedia geschaut. Da steht, dass Qualität angibt, in welchem Maß etwas den bestehenden Anforderungen entspricht.

Und da steht auch, dass das Wort Qualität an sich zwar keine Bewertung beinhaltet, im Alltag jedoch allgemein sehr wohl bewertend gebraucht wird. Laut Wikipedia hat sich der Begriff   „im wirtschaftlichen Alltag als Wertmaßstab etabliert, der die Zweckangemessenheit eines Prozesses ausdrücken soll“.

Hm….das heißt dann im Umkehrschluss, dass die Formulierung „neue Qualität der Angriffe“ uns sagen soll, dass die Angemessenheit des Zwecks, (also der Angriffe zwecks Terrorisierung der Bevölkerung) jetzt.. äh, ja was, sich verbessert hat? Effektiver ist? Die Brandsätze schneller zünden und das Feuer sich besser ausbreitet, oder was?

Noch verwirrender wird es, wenn man, Wikipedia folgend, den Begriff der Qualität als Synonym für Güte versteht. Denn dann hieße es:                                                             „Die neue Güte der Flüchtlingsströme.“                                                                             Und unter Güte versteht man eine herzliche, wohlwollende und freundlich-nachsichtige Einstellung gegenüber dem Gegenüber.

Kommen also die Flüchtlinge gar nicht mit Erschöpfungszuständen, traumabelasted, ausgehungert und verzweifelt über unsere Grenzen, sondern voll des Wohlwollens und freundlich-nachsichtig gegenüber unserer Unfähigkeit, mit den Problemen, die unser Handeln in der Welt hervorruft, gut und „qualitativ hochwertig“ umzugehen?

Ist irgendwie schwer vorstellbar. Was also soll dann das ganze, Entschuldigung, in meinen Augen „Gefasel“, über die neue Qualität all des Schrecklichen?

Vielleicht hängen die Redakteure ja der Definition des Aristoteles an. Der sagte nämlich:    „Qualität ist die wesentliche Eigenschaft eines Dings, die es zu dem macht, was es ist“.    In diesem Sinn macht die Wortwahl tatsächlich Sinn. Aber wie sinnvoll ist es, in einer so weltumspannenden, emotionsgelandenen Berichterstattung, Sprache so zu verwenden, dass sie nicht zur Klärung, sondern zur Irritation beiträgt? Ich glaube kaum, dass die Mehrheit der Bürger Aristoteles Definition kennt. Ich kannte sie übrigens auch nicht!

Im Talmud steht:

Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden Worte                                                           Achte auf deine Worte, denn sie werden Handlungen.

Ich würde mir daher mehr Achtsamkeit wünschen. Und das nicht nur in der Berichterstattung von Presse & Co, sondern auch in unseren ganz alltäglichen Gesprächen!

 

 

 

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