Adtzventzkrantzkertzen…

haben nicht nur zu viele Buchstaben, sondern auch zu viel Feuer.

Das findet zumindest die EU-Kommission, die sich bemüßigt fühlt, Kerzen sicherer zu machen. Also weniger feurig. Weniger Dochthöhe dafür mehr Gleichheit. Jawoll. Eine Kerze, wie die andere und achten wir darauf, dass kein Kind mehr das sinnliche Gefühl von Fingern im Kerzenwachs erfahren kann. Im Zuge der Gleichberechtigung machen die Kommissionäre auch vor den Kerzenhaltern, den Kerzenbehältern und dem Kerzenzubehör nicht halt. Na ja, kann sich wenigstens keiner benachteiligt fühlen.

Grund für die Brutstätte, ach nein, Brandstätte dieses Regulierungsbegehrens ist der Fall eines Zimmerbrandes mit tödlichem Ausgang. Auslöser war, na klar, der Adventskranz.

Ich vermute ja, dass unter die auslösenden Faktoren auch Unachtsamkeit, Spieltrieb, falsche Handhabung, oder schlicht Dummheit gehört haben könnte. Oder einfach nur Pech. Soll´s ja geben. Leider gibt es zu dessen Vermeidung noch keine Ideen, geschweige denn Richtlinien. Vielleicht war der Kranz auch schlicht längst vertrocknet und die Kerzen werden völlig zu Unrecht unter Generalverdacht gestellt? Ich fürchte, dass wir das niemals erfahren werden. Einmal Sündenbock, immer Sündenbock. Kennt man ja.

Jedenfalls habe ich den folgenden schönen Satz gefunden: es müssten, möglichst bereits bei der Herstellung, „Gefahren im Zusammenhang mit vernünftigerweise vorhersehbaren Verwendungsbedingungen umfassend berücksichtigt“ werden. Wieder was für meine Sammlung: wie sag ich´s inhaltsleer aber wortreich.

Ich will mich auch gar nicht über das Winzige im Kleinen echauffieren. Die Brüsseler Regulierungsbegeisterten können sicher selbst am besten entscheiden, für wie wertvoll sie ihre  Zeit einschätzen, die sie für den Vaterkontinent (ups, gender. Sagen wir lieber Elternkontinent) einsetzen. Und wir sollten uns nicht entsetzen, sondern lieber wichtige Themen besetzen damit die Brüsseler Spitzen sie dann umsetzen.

Zum Beispiel die Energiewende. Strom sparen, Öl und Kohle sparen, Heizkosten sparen. Für ein gut isoliertes Haus rechnet man zum Beispiel mit einem Heizbedarf von 100 W/m². Eine Kerze hat übrigens eine Heizleistung von 38-100 Watt. Bei einem Adventskranz am vierten Advent (und den Tagen danach!) wäre das, nähmen wir einen durchschnittlichen Wert von 60 Watt an, eine Heizleistung von 240 Watt. Das reicht locker für meine Sofaecke. Ich finde, in Anbetracht des Energiesparaspektes könnte man die Kerzendebatte unter gänzlich anderen Gesichtspunkten führen.

Gerade eben erreicht mich die Nachricht, dass besagtes Regulieren auch auf das Brauen von Feuerzangenbowlen ausgeweitet werden sollte. Aus Expertenkreisen ist zu erfahren, dass man während eines solchen Prozesses wunderbar das Wort  „Tortuga“ mit 80%igem Strohrum in Feuerschrift auf den Tisch schreiben kann… Über die Tatsache, dass die Flammen dabei fast Deckenhöhe erreichen können, breiten wir leise das Mäntelchen des Vergessens. Oder, in Anlehnung an meinen Artikel „Schlupfloch…“ aus dem September 2015 könnten wir auch fix ein solches für Bowlen im Allgemeinen und die mit Feuerzangen im Besonderen kreieren. In der Hoffnung, dass uns diese schöne Tradition erhalten bleibt: Feuerzangenbowle trinken und dabei die Feuerzangenbowle gucken gehört doch irgendwie auch zum Winter.

So wie die Kerzen zum Adventskranz.

 

 

 

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Nach Halloween gruselt´s mich noch mehr…

Im Internet bin ich auf die für mich verblüffende Tatsache gestoßen, dass die Halloween Kostüme, von denen ich bisher immer dachte, sie dienten dazu, andere ordentlich das Fürchten zu lehren, an den Unis der USA nur nach strengen Vorschriften ausgewählt werden sollen. Und zwar möglichst so, dass sich niemand in irgendeiner denkbaren (und wohl auch nicht denkbaren!) Form durch eine solche Verkleidung,  ja… äh… wie soll ich es ausdrücken…. emotional berührt fühlen könnte.

So steht auf mehreren Seiten zu lesen (z.B. auf https://www.thefire.org/college-students-should-be-scared-to-celebrate-halloween/), dass bestimmte Kostümierungen andere Menschen, Kulturen oder Religionen diffamieren könnten. Rastalocken, dunkle Haut, Gefängniskleidung oder die Darstellung von Depression und Co sowie verlotterten Halunken wären demnach alles: von fragwürdig bis verboten. (Ein kreatives „Doppelherz, die Kraft der zwei Herzen“-Kostüm würde vermutlich sofort wegen der ICD 10  Diagnose „Persönlichkeitsstörung“ geächtet. Und wenn man auf ein harmloses Katzenoutfit ausweicht, verklagen einen die Allergiegeplagten…).

Na, jedenfalls finde ich die Überlegung, ein Kostüm könne andere Menschen in ihrer tiefsten Seele und Persönlichkeit verletzen ziemlich hanebüchen, aber es sind ja schon merkwürdige Dinge in dieser Richtung passiert. Die Negerküsse meiner Kindheit sind auch längst verschwunden und ich verweise hier auf meinen Artikel „Von Schokokönigen und Südseeküssen“ vom Januar 2013. Die Regelwut und die Befindlichkeiten kennen keine Grenzen!

Es gibt jedoch etwas, das mich noch viel mehr entsetzt… erstaunen wäre hier echt der falsche Ausdruck. Auf der Seite:                                                               http://www.huffingtonpost.com/entry/yale-student-halloween-costumes-christakis_5644baa8e4b045bf3dedfe1e                                                                               ist zu lesen, dass das Ansinnen, Studenten mögen beim sich-fürchten-lernen bitte Vorsicht walten lassen mitnichten von überaltertem Unipersonal stammt, sondern eine breite Zustimmung, ja sogar den Anstoß dazu in der Studentenschaft hat!!!

Und je mehr ich gelesen habe, um so schlimmer wurde es. Die (amerikanischen) Studenten leiden offensichtlich unter allen Arten von psychischen Problemen, was irgendwie dazu führt, dass die Begegnung mit einem Halloween-Afro-Outfit sie in die tiefsten Depressionen stürzen könnte. Das Trauma lauert ja bekanntlich überall. Ich frage mich schon gar nicht, was diese Zartbesaiteten beim Anblick eines echten Afro-Amerikaners empfinden würden, der, womöglich rastalockenschwingend, eine Art ritualen Stammestanz aufführt (bei manchen Veranstaltungen kommen einem solche Vergleiche ja unweigerlich in den Sinn). Einfach nur so. Aus guter Laune.

An anderer Stelle lese ich, dass  es mittlerweile an US-Universitäten teilweise mehr Coaches und Berater als Professoren gäbe. Weil die Studenten mehr psychische, soziale und Selbstfindungsprobleme haben als Wissenslücken. Und nein, das soll nicht heißen, dass sie alle Überflieger und nahezu allwissend sind. Es zeigt vielmehr deutlich, dass wir in einer Gesellschaft leben, die voller Ängste steckt. Angst, zu versagen. Angst vor dem Fremden. Angst, nicht dazu zu gehören. Angst, nicht gut genug zu sein. Angst, nicht man selbst sein zu dürfen, falsch zu sein, nicht passend. Und wenn ich nicht passend bin, habe ich drei Möglichkeiten: ich rebelliere (Quer- und andere Andersdenker), ich füge mich oder ich flüchte. In besagte Ängste zum Beispiel. Fight-flight-freeze heißt das auf Englisch.

Und die Neurobiologen erklären das damit, dass unser Gehirn sich bei jedweder Art von Stress Stück für Stück in den Urlaub verabschiedet… angefangen mit dem Präfrontalen Kortex. Das ist echt blöd, denn da sitzt unser Bewertungssystem, unsere Fähigkeit, Konsequenzen zu erkennen und entsprechende Handlungen vorzunehmen. Wenn der Teil des Hirns nun bei den Studenten – und sonstigem Weltpersonal – auf Tahiti in der Sonne liegt, kann so ein Halloween-Westernheld mit Bärentöter einen jungen Menschen mit einem Achtel Kiowablut schon in eine traumatische Situation bringen. Klar.

Nein, nicht die Möchtegern Gruselfetzen sind erschreckend, sondern unsere Unfähigkeit, mit uns selbst zu leben. Und mit unserem Nächsten. (Vielleicht hülfe  etwas Calgonit zum Entkalken des Oberstübchens. Dann klappte es auch mit dem Nachbarn :-))

Eigentlich wollte ich an Fasching ja als Universitätsprofessor ausrücken, aber das lasse ich lieber. Am Ende traumatisiere ich damit noch die Grundschüler. Ne, da gehe ich doch besser als Gargamel, auf echte Schlümpfe werde ich ja wohl kaum treffen 🙂

 

 

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