Einen Labello vom Bund.

Der Kollege meines Nachbarn hat einen Freund, der hat eine Tochter. Die Tochter hat einen Klassenkameraden, der im gleichen Verein ist wie ein Mädchen, deren Cousine neulich eine alte Freundin aus Grundschultagen getroffen hat. Da haben sich die beiden gefreut und ein wenig miteinander geplaudert. Und die Geschichte, die die Grundschultagefreundin erzählt hat, ist auf diese, total gut nachzuvollziehende Weise, bei mir gelandet. Ich verbürge mich also fast für den Wahrheitsgehalt.

Besagte junge Dame, kurz vor dem schulischen Abschluss stehend, hat sich für eine Ausbildung bei der Bundeswehr beworben. Für welche, weiß ich nicht. Aber das spielt hier auch nur eine wenig tragende Rolle. Jedenfalls lud man sie offensichtlich zu einem Beratungsgespräch ein. Wie informativ das war, weiß ich auch nicht. Aber auch das ist für den Fortgang der Geschichte nicht entscheidend.

Entscheidend ist, dass der Bundeswehrberater ihr zum Abschied nicht nur einen Werbekugelschreiber, sondern auch einen Werbe-Labello überreicht hat. Und zwar mit den Worten: „Da können Sie sehen, wohin Ihre Steuergelder fließen“.

Nun hat sicher nicht jeder einen Lippenpflegestift, der in Tarnfarben gestaltet ist. Die Hülle. Nicht das Innere. Und bestimmt wäre der eine oder andere durchaus bereit, ein paar Euro für so ein besonders, hm, individuelles Stück auszugeben. Ich muss gestehen, ich wäre es nicht, aber ich bin modisch auch nicht so ganz auf dem Quivive.

Bei meiner Recherche nach weiteren Werbeartikeln der Bundeswehr  im Netz stieß ich auf so feine Sachen wie zum Beispiel die „TOP GUM Gummibärchen. Haribo macht Kinder froh, und Soldaten ebenso“, verpackt in eine nette Camouflage Tüte mit hübschen Panzern, Jeeps, Fregatten und ähnlichem Verteidigungsgerät garniert. Auch schön ist der Herr Bert,  ein knuffiger kleiner Gummimann, erinnert ein wenig an die Mainzelmännchen. Der steht  gleich für mehrere öffentliche Dienste bereit. „Zum Knautschen, Schmusen und Erinnern“.  Da passt so ein Lippendings prima ins Programm.

Der Spiegel schrieb am 23.11.2014, dass der Werbeetat der Bundeswehr für 2015 um 18% auf 35,3 Millionen Euro steigen sollte. Nimmt man einen ungefähren Einkaufspreis von 1 Euro an, so könnten 35,3 Millionen Lippenpflegestifte in Tarnmontur verteilt werden. Da auch ich einen Beitrag zum deutschen Steueraufkommen leiste, lässt mich das hoffen. Vielleicht kriege ich ja mal irgendwo einen zu Gesicht. Und wer weiß, am Ende erstreckt sich das „Tarnen und Täuschen“ gar nicht nur auf die Plastikhülle, sondern die Pflege im Lippenstift tarnt meine Fältchen und täuscht ein jugendlicheres Alter vor? Dann wären meine Steuergelder echt gut angelegt.

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