Ursula von der Leyen: völlig von der Rolle…

„Haltungsproblem“, „falscher Korpsgeist“ und „Führungsschwäche bei der Bundeswehr“… wie kommt die Verteidigungsministerin dazu, die gesamte Bundeswehr derart zu brüskieren?  Seit Jahrzehnten ist die rechte Problematik in der Truppe bekannt und nun auf einmal fällt sie derart aus ihrer Rolle als Oberverteidigerin unserer tapferen Jungs und Mädels, die sich beim Dienst am Vaterland den Wertesten aufreißen. Was ficht sie an?

Nun, um es mit Virgina Satir (Familientherapeutin) zu sagen: „Manchmal muss man aus der Rolle fallen, um aus der Falle zu rollen!“

Und  es war höchste Zeit, dass Flinten-Uschi sich zur Tornado-Uschi entwickelt und mal einen gewaltigen Sturm der Entrüstung entfacht. Erstaunlicherweise geht dieser in die falsche Richtung. Nicht die Beteiligten in der Bundeswehr, nicht die gesamte problematische Führungsetiquette, das falsch verstandene Bild von Untergebenheit und „Dienen“ werden vorgeführt, sondern – als kenne man das nicht schon aus ur-ur-alten Zeiten – der Überbringer der schlechten Nachricht wird geköpft. Also nicht ganz, zum Glück, bekanntlich ist die Todesstrafe zumindest bei uns verboten, aber so ganz weit weg vom Mittelalter sind wir mit unserem medialen Pranger dann ja doch nicht. Statt mit fauligem Gemüse schmeißen wir mit stinkenden Worten, die aus faulen (im Doppelsinn: gammelig und träge) Gedanken entstehen, um uns.

Nein, nein, die Gute hat nicht nur recht (und ich hätte niemals gedacht, dass ich meine nicht-Lieblingsministerin mal in Schutz nehmen würde), sie äußert sich noch dazu äußerst vorsichtig. Denn nicht nur die Bundeswehr hat ein Haltungsproblem. Die gesamte Gesellschaft hat es! Oder wie sonst ist es zu erklären, dass sich folgendes zugetragen hat – und hier entschuldige ich mich für die unappetitlichen Details, ich zitiere nur aus der ZEIT vom 04.05.15:

„… beschimpften zwei Hauptfeldwebel Soldaten als genetischen Abfall, der aussortiert gehöre und ließen sie so lange laufen, bis sie zusammenbrachen…. wurde bei der Ausbildung von Sanitätern sexistische Initiationsrituale praktiziert. Frauen hatten an einer Polestangen wie in einem Strip-Lokal vorzutanzen. Auszubildende  mussten sich einen Tampon in den Anus schieben. …Die jeweiligen Vorgesetzten waren vom Treiben ihrer Untergebenen informiert. Sie unternahmen: nichts.“

Wenn das nicht ausreichend ist für Ursulas Ausbruch, dann weiß ich auch nicht. Aber er greift zu kurz, er bezieht sich nur auf die Liga der Bundeswehrführung. Schlimm genug, dass es Menschen gibt, die sich für solche Taten und deren Vertuschung hergeben. Ist aber nicht so ganz überraschend. Was mich viel mehr entsetzt ist die Tatsache,

DASS DIESE JUNGEN MENSCHEN DAS MIT SICH HABEN MACHEN LASSEN!

Wir leben bekanntermaßen nicht in einem Terrorregime, wo Menschen keine andere Wahl haben, als zu gehorchen. Wir leben immer noch in einer Demokratie. Was ist also in der Erziehung, Entwicklung, Schul- und Ausbildung, familiärer Konstruktion, sprich: in unserer Gesellschaft schief gelaufen, dass diese jungen Leute nicht sagen können: „Nö, mit mir nicht. Mach euren Scheiß doch allein!“ Wieso fühlen sie sich dem ausgeliefert, warum fehlt der Mut, das Selbstbewusstsein, ja das Selbstverständnis, für SICH SELBST couragiert und konsequent einzutreten? Woher kommt ein solches Angstverhalten?

Ein Gespenst geht um, in unserer Gesellschaft. Und es ist nicht das Gespenst des Kommunismus. Nein, ich fürchte, es ist das Gespenst des Kapitalismus in seiner jetzigen Form, wo Markt und Geld über dem Menschenwohl stehen. Wo sich unser Leben um Macht, statt um Miteinander dreht. Wo… ach, ich könnte noch zeilen(unglücklich)lang so weitermachen, aber mein Punkt ist wohl klar geworden.

Insofern, liebe Ursula von der Leyen, rollen Sie bitte noch ein ganzes Stück weiter. Am besten einen hohen Berg hinauf. Und betrachten Sie die ganze Situation dann noch einmal aus diesem Blickwinkel. Vielleicht weitet sich dann die Perspektive!

 

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