Von Schlafsimsern und Smartphonebuckeln

Die Tochter einer Bekannten einer Freundin hat ein neues Handy. Endlich ein Smartphone! Und dieses nutzt sie nun ausführlichst, egal ob am Esstisch, im Bus, während des Unterrichts (der sowieso ja immer nur zum Gähnen ist…., so bleibt sie wenigstens wach, sagt sie), im Gespräch mit der Familie (bei anderen weiß man das nicht genau, aber man vermutet, dass sie auch da den Verlockungen des virtuellen „Verbundenseins“ nicht widerstehen kann) und von den Hausaufgaben, sagt die Bekannte meiner Freundin, will sie gar nicht reden.

Ist ja alles völlig okay. Aber dass sie mit dem Ding auch ins Bett geht, ist doch irgendwie beunruhigend.  Früher hat man die Kinder in den Schlaf gesungen. Dann waren es die Hörspielcassetten und später Katie Perry und Konsorten.  Heute ist´s das Handy! Und ich vermute, sie simst und whats-appt bis zur letzten wachen Sekunde.  Es gibt also nicht nur die Schlafwandler und  die Schlafmützen sondern im 21.Jahrhundert auch die Schlafsimser!

Mein Stiefbruder wiederum hat mir von dem neuen Phänomen des Smartphonebuckels berichtet. Zu sehen ist dieses, zugegebenermaßen erst am Anfang seiner perfiden Karriere stehende Krankheitsbild besonders oft an  Bushaltestellen, Bahnhöfen und ähnlichen Orten, wo Menschen zum Nichtstun verdammt sind. Statt sich also die Umgebung zu besehen, gedanklich in die Tiefen des Weltalls (oder der eigenen Gedankenwelt) abzutauchen  oder, befremdlicher Gedanke, gar das Gespräch mit dem ebenfalls auf Linie 12 wartenden Nachbarn zu suchen, beschäftigt sich der moderne Mensch mit seinem Handy. Das war bis vor ein paar Jahren auch noch nicht gesundheitsgefährdend – wenn man von dem umstrittenen Strahlungsthema einmal absieht.

Seitdem es aber die Smartphones gibt, die zwar ungeheuer cool aber bei gewissen Lichtverhältnissen auch ungeheuer unlesbar sind, reicht es nicht, das Display nah vor das Gesichtsfeld zu führen. Nein, oft ist es nötig, dem kostbaren Stück Schatten zu spenden, auf dass es seine Nachricht lesbar mache. (Harald Martenstein vom Zeit Magazin sprach in einer Kolumne gar von dem „Shadowphone“ :-)). Man muss also versuchen, aus seinem Oberkörper eine Art Sonnenschirm zu formen. Was unweigerlich mit hochgezogenen Schultern und einem vorgestreckten, abgeknickten Hals-Kopf-Bereich einhergeht. Ähnlich einem Marabu auf Beutezug.

Medizinisch Interessierte können sich nun unschwer vorstellen, welche Konsequenzen diese merkwürdige, aber natürlich völlig gerechtfertigte Haltung nach jahrelangem Gebrauch auf unser Skelettsystem haben wird.  Mein Stiefbruder meint, wir sollten die Überschüsse der Krankenkassen heute schon für die Behandlung dieser neu entstehenden Deformation zurücklegen.  Ich bin da nicht so sicher. Vielleicht gelten Smartphonebuckel ja irgendwann mal als erstrebenswertes Statussymbol.                                                                                              Frei nach dem Motto: „Mein Haus, mein Auto, mein Buckel!“

 

 

 

 

 

 

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