Am laufenden Band – oder, die Interventionsdiät

Viele von uns kennen das: Wiederholungen, Endlosschleifen und mehr vom Gleichen. Die meisten von uns wissen auch: es bringt nix!

„Am laufenden Band“ war in den 70igern (oder so) eine Sendung mit Rudi Carell. Heiß geliebt von vielen im 5-Programm-Zeitalter. Der Sieger der Show hatte die Chance, sich potentielle Gewinne auf einem Laufband anzuschauen, die zu launiger Musik an ihm vorbei fuhren. Je mehr er sich merken, und nach dem obligatorischen Gongschlag benennen konnte, um so mehr bekam er. Sicher hätte sich da so mancher eine Endlosschleife des Bandes gewünscht.

In unserem täglichen Miteinander ist bei Dauerwiederholungen aber von Gewinn nichts zu spüren. Telefonschleifen: lästig. Musikalische Dauerberieselung im Supermarkt: nervig. Die 10. Wiederholung von Pythagoras im Matheunterricht: einschläfernd. Belehrungen durch Eltern: familienfriedenzerstörend.

Und damit sind wir beim Thema. Ich bekenne mich schuldig. Absolut, zu 100 %, im Sinne der Anklage, höchststrafenverdächtig. Ich erkläre meinen Kindern die Welt. Einmal. Zweimal. Fünfzehnmal. Und nochmal. Strafverschärfend kommt hinzu, dass ich es auf Grund meines Berufes eigentlich besser wissen müsste. Denn, wenn etwas nicht funktioniert, dann mach nicht mehr vom Selben (es hat ja eben NICHT funktioniert), sondern was anderes. Ich weiß das!! Und trotzdem.

Ich wiederhole mich. Ständig. Nach dem Motto „steter Tropfen höhlt den Stein“. Tut er auch, er höhlt das Wohlwollen meiner Kinder aus, ihre Bereitschaft, auf mich zu hören, ihre nahezu unendliche Geduld mit ihrer faselnden Mutter.  Ich verkomme zum Hintergrundgeräusch, ich bin der Flieger am Himmel. Zu sehen, aber nicht zu hören und wenn, dann nur beiläufig.

Damit ist jetzt Schluss. Ich wage den Schritt vom Chorsänger, der sich mit dem Refrain zufrieden geben muss zum Solisten, der eine Botschaft verkündet. Hell und klar und ganz bestimmt nur ein mal. Denn, ein Freund hat mir ein wunderbares Wort geschenkt: INTERVENTIONS-DIÄT.

Ich übe Verzicht, Wortverzicht, ich fasste und wenn es mich umbringt. Ich weiß auch schon, wie ich das schaffe. Ich ersetze Worte durch Taten: Sekt statt Sprache, Putzen statt Plaudern, Lesen statt Labern, Internet statt insistieren und schreiben statt schnacken.

So, jetzt muss ich los, meinen Kindern ein paar Zettel an den Spiegel kleben!

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2 Gedanken zu “Am laufenden Band – oder, die Interventionsdiät

  1. Liebe Katharina

    S U U U U P E R – SCHENIAL!

    Eine humorvoll, lebendig geschriebene und bemerkenswert leichtfüssig daherkommende Weisheit aus dem echten Leben. Wow! Gefällt mir überaus gut.

    Ich wünsche dir ganz viel Spass beim Fasten und bei (noch?) mehr Sekt, Putzen, Lesen, Internet und schreiben.
    Und – wenn genügend Zettel am Spiegel kleben werden, brauchst du ihn auch nicht mehr zu putzen;-))

    Vielen Dank fürs Teilhabenlassen.

    Herzlichste Grüsse aus der verregneten und vermutlich noch diese Nacht verschneiten Schweiz.

    Adrian

  2. Ich hoffe, Du nimmst Dir das, was Du da geschrieben hast auch zu Herzen. Deine Kinder werden es Dir danken und die anderen, die das Geschwafel mit anhören müssen, auch!!! Fröhliche Adventszeit und einen gemütlichen und gefaselfreien Heiligen Abend! Das wünscht Dir, na wer wohl?

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