Schokokönige und Südseeküsse

Ein hoch auf die ZEIT. Ich  lese sie unregelmäßig aber mit größtem Vergnügen. Sie ist ein wahrer Quell und eine Inspiration, um meine Gedanken, die sonst eher unmotiviert in mir herumblubbern, zu bündeln und in Schriftform zu bringen.

So war in einer der letzten Ausgaben ein Interview mit unserer Familienministerin Christina Schröder zu lesen, in dem sie unter anderem über sprachliche „correctness “ philosophierte und erzählte, dass sie bei der Auswahl der Geschichten, die sie ihren Kindern vorläse, durchaus Sorgfalt walten lasse.  Pipi Langstrumpfs dicken, gemütlichen Papa (der übrigens in meinen Augen die ganz wunderbare Eigenschaft besitzt, seiner Tochter durch sein tiefes Vertrauen in ihre Fähigkeiten ein sehr wünschenswertes Selbstbewusstsein zu geben) nennt sie nicht mehr Negerkönig sondern Südseekönig und auch bei der Auswahl der Märchen wird darauf geachtet, dass der Gender-Aspekt zum Tragen kommt.

Nun schön, das ist Frau Schröders Erziehungstil  und geht mich weiter nichts an. Offensichtlich stellt sich jedoch bei anderen lesenden Wesen eine gewisse Verwunderung ein und es entspinnt sich ein Disput darüber, wie korrekt es ist, Worte zu verwenden, denen ein gewisser Makel anhaftet.  Es ist von „diskriminierender Sprache“ die Rede ohne dabei daran zu denken, dass Sprache nichts anderes als die Aneinanderreihung von Buchstaben ist, die meist mit schwarzer Tinte (gut, dass es sich hier um ein Adjektiv handelt, das klein geschrieben wird ,bei „Schwarzer“ wäre ich mir schon nicht sicher, ob sich hier  nicht ein rassistischer Aspekt versteckt) auf ein Stück Papier verbracht wird oder in Form von Schallwellen unserem Munde entströmt.

Haben Sie schon mal  von rassistischen Schallwellen gehört? Ich möchte hier an die mittlerweile auch in Wissenschaften wie der Psychologie angekommene Weisheit erinnern, dass die Bedeutung einer Botschaft nicht der Sender bestimmt, sondern der Empfänger. Rassismus entsteht nicht auf dem Papier, sondern in unseren Köpfen. Ich würde mir wünschen, dass wir mehr darüber nachdächten, was wir denken als darüber, ob wir von Negern oder Dunkelhäutigen reden sollen. Und statt blindem Aktionismus lieber einer augenzwinkernden Vernunft verfallen.

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