„gegen“ – mein Lieblingswort der Woche

Wir sind gegen alles. Irgendwie jedenfalls. Zumindest sind wir erst mal nicht dafür.

Gegen etwas zu sein ist in. Gegen Atomkraft. Gegen das Rauchen. Gegen Kopfschmerzen und gegen das Älterwerden. Es gibt Bücher zu Hunderten die gegen etwas sind. Klopfen gegen Lampenfieber, Feng Shui gegen Gerümpel,Methoden  gegen Angst,  gegen Stress und Burnout, ja sogar ein Buch gegen dumme Sprüche…….

Und vieles geht uns gegen den Strich.  Dieser schlaue Satz kommt daher, dass man Tiere nicht gegen den Strich streicheln soll. Angeblich. Das mögen sie nicht. Angeblich. Vielleicht könnte das mal jemand meiner Katze sagen? Die verlangt nämlich regelrecht danach andersrum gestreichelt zu werden. Die ist für (gegen) den Strich, eindeutig.

Diese „gegen“-Mentalität hat einen Bruder, oder, im Zuge der Gleichberechtigung (soll ja keiner sagen, ich wäre gegen die Emanzipation) eine Schwester, jedenfalls einen Anverwandten. Den/ie „mach – das – weg“ Cousin/e.

Wir wollen die Baustellen weg haben, die Rückenschmerzen, die schlechte Laune, den Regen, die Hitze, die unfähigen Lehrer, die pubertierenden Schüler, die Verkehrsstaus, die Ampeln, die Gülle, die Probleme.

Vor einigen Jahren wollte ich das Unkraut in meinem Garten weg haben. Ich habe mich tagelang krabbelnd über den Rasen bewegt und Löwenzahn, Klee und Giersch ausgestochen und  w e g getan. Ich war sehr stolz auf mich und mein Rasen war sehr äh.. nun ja, löcherig.  Ich habe nachgesät und die Vögel wollten den Samen weg haben. Sie waren erfolgreich.  Im Jahr darauf war mein Rasen immer noch löcherig und ich wollte die Löcher weg haben.  Da habe ich einfach das Unkraut wachsen lassen….. es macht nämlich schön grün.

Daraus habe ich gelernt. Bevor ich wieder was weg haben will frage ich mich erst mal, wofür ich es überhaupt habe. Ich frage absichtlich nicht, warum.  Ich will wissen, wofür. Wofür ist es gut, das, was ich nicht haben will?

Nein, ich finde nicht immer eine befriedigende Antwort darauf. Aber dann bin ich nicht gegen meine Einfallslosigkeit sondern für mein Telefon. Mit dem rufe ich nämlich eine Freundin an. Mit der quatsche ich dann – manchmal ziemlich lange. Und manchmal hat auch die keine Idee. Aber ich weiß dann, wofür sie war, meine Einfallslosigkeit. Für die Freundschaft.

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