Kopf und zahlen

Ein Dank an den großen weißen Vogel. Nein, ich meine nicht die dumme Gans sondern den weisen Raben, der mir diesen wunderbaren Link geschickt hat:

www.welt.de/vermischtes/article137912632/2017-soll-der-erste-Kopf-transplantiert-werden.html?wtrid=newsletter.wasdieweltbewegt.newsteaser…meistgelesen#disqus_thread

Der Artikel selbst ist lesenswert. Ein Arzt hat die Idee und versucht diese auch umzusetzen, kranke Köpfe auf gesunde Körper zu transplantieren. Äh, nee, so natürlich nicht. Da kann man mal sehen, wie verwirrend das Ganze ist. Also nochmal: aus Mensch A: gesunder Kopf und kranker Körper und Mensch B: Kopf egal aber gesunder Körper Mensch C zu machen: Kopf von A auf Körper von B

Erinnert mich ein bisschen an ein Spiel, das ich als Kind hatte. Da gab es verschiedenfarbige Pappfische, die waren in 6 Teile unterteilt und man musste mit Hilfe eines Würfels den ganzen Fisch zusammenbasteln. Wenn es unterschiedliche Fischteile waren, sahen die ziemlich schräg aus. Hat Spaß gemacht! Vielleicht hat der besagte Arzt früher nie mit diesem Spiel, das vermutlich seinem älteren Bruder gehört hat, der, mit seinen Freunden, die der Arzt, damals kleiner Bube, naturgemäß sehr bewundert hat, diese Spiel ganz oft gespielt hat, mitspielen dürfen. Oder so ähnlich. Hobbypsychologie macht echt Spaß!

Na jedenfalls, soweit so unvorstellbar. Noch viel schöner als der Artikel an sich sind die vielen Kommentare, die sich anschließen. Sehr schnell entwickeln sich da Diskussionen, die komplett vom Thema abweichen. Es geht zwar auch um die ethische Frage, ob alles, was machbar ist, auch gemacht werden solle. Und ob es nicht doch Sinn macht, die Medizin erst einfach mal machen zu lassen und über die Ethik später nachzudenken – schließlich sind wir so von dem- im Grunde  noch harmlosen –  Aderlass weg gekommen!

Dann aber machen sich andere Fronten, religiöse und verbohrte,  in der Schlacht um die Zeilen stark. Gott ja oder nein. Haben Gläubige wirklich keine Angst vor dem Tod – wohingegen die armen Agnostiker Zeit ihres Lebens bibbern müssen? Wo sitzt die Seele, was ist das Bewusstsein bis hin zu dem Vorwurf, dieser Arzt wolle sich lediglich profilieren (wie oft der Kommentator mit dem guten Doktor schon beim Tee zusammen saß wird nicht verraten) und dem Verdacht, wenn es denn gelänge wäre das sowieso nur wieder was für das reiche Pack! Ach ja, und auch schön die Theorie, dass man für die Gelder, die diese Forschung bindet (wieviel ist das überhaupt?) ja anderswo für´n Groschen Leben retten könnte.

Sehr schön zu lesen 🙂

Ich möchte hier nur mal zu bedenken geben, dass es Forschungsgebiete jeder Couleur gibt. Und es ist mir persönlich lieber, da schnippelt einer an Nervensträngen als an Nervengiften rum. Schon allein aus dem Grund weil ich glaube, dass die Stränge leichter zu kontrollieren sind, als die Gifte.

Nein, mit meinem heutigen Wissen und meiner inneren Haltung kann ich mir nicht vorstellen, dass ich einer solchen Transplantation zustimmen würde. Für mich! Aber wer bin ich, dass ich die Idee grundsätzlich verbieten dürfte? Wenn es nach mir gegangen wäre, hätten wir heute auch kein Internet, sondern pilgerten nach wie vor in große, schöne, ruhige Bibliotheken…. (und trotzdem habe ich heute Spaß an dem Ding).

Eine Anmerkung habe ich aber noch zum Schluss: die Vorstellung, man hätte den Kopf von Mark Twain oder Kurt Tucholsky immer wieder auf neue Körper montieren können, so dass ich heute mit den beiden im Kaffeehaus zu einem Plausch sitzen dürfte, die finde ich gar nicht so schlecht 🙂

Ein Leser wies mich aber darauf hin, dass sich das – den Kopf über viele Jahrzehnte frisch und fit zu halten – nun aber wirklich nur die ganz Reichen würden leisten können. Womit sich der Kreis zu den Kommentaren wieder schließt.

 

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2 Gedanken zu “Kopf und zahlen

  1. Mit der dummen Gans haben wir ja die Kurve noch einmal gekriegt… Diese Assoziation war mir bis dahin nie so aufgefallen!

    Aber egal, wir haben ja Thema: ich bin nun nicht der erklärte Freund der konventionellen oder so genannten Schulmedizin. Ach was – ich bin eindeutig Gegner. Nicht in der Sache sondern in der Umsetzung. Und unser neues Beispiel läuft Parade für den Horror, den ich empfinde bei dem Gedanken, in den natürlichen Lauf des Lebens unzulässig einzugreifen. Also rein theoretisch könnte ich mir abweichend von Deiner Vorstellung einen bestimmten, fantastischen und omnipotenten Körper durchaus mit einem anderen… nein, nicht einmal Kopf (Hirn würde schon reichen) schmecken lassen. Doch weg mit der Theorie: wer will denn das wirklich? Die Superultrareichen? Sorry – die freitoden wie die Lemminge! Es sind lediglich vereinzelte, psychisch auffällige weil egomanische, narzißtische, antisoziale und manische Persönlichkeiten. Denen muß man nicht jeden Gefallen tun, oder? Und genauso sicher wie dieser Überzeugung bin ich, daß es Realität werden wird. Vielleicht nicht 2017 und vielleicht nicht so von der Öffentlichkeit bewundert und honoriert, wie der Kollege in Weiß es sich erhofft. Aber im Geheimen und hinter fest verschlossenen halboffiziellen Türen wird es Verwendung für die Idee geben. Damit könnte das Basteln an Nervenenden fast noch schlimmer enden als das mit Nervengasen. Schöne neue Welt!

    • Lieber Rabe,
      ich weiß ja, dass du das mit den Freundschaften sehr eigenwillig hälst – Gott sei Dank! 🙂 Ich bin wie du der Meinung, dass nicht alles was kann auch muss. Aber nicht ganz so sicher, ob es nicht auch eine Berechtigung des Forschens um des Forschenwillens geben sollte… Wer das Thema Kopfverpflanzung auf höchst amüsante Weise weiter verfolgen möchte, dem empfehle ich die „Skulduggery“ Bücher von Derek Landy. Dort wird einem sensationell unfähigen Jahrhunderverbrecher das Hirn in einen neuen Körper verpflanzt – leider den falschen! Und das beschert dem Leser wundervolle Einsichten.

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