Hightech auf´m Klo!

Wer mich kennt oder meinen Blog ein wenig verfolgt hat weiß, dass ich kein großer Anhänger vom allgemeinen Technik-Hype bin. Also, es muss nicht alles gemacht werden, was technisch so möglich ist. Siehe zum Beispiel meinen Artikel „Smarthome…“. Ich wehre mich auch gegen die Allmacht des Handys (obwohl ich zugeben muss, dass auch ich beim Essen mal draufgucke oder nachts aufstehe, wenn ich vermute, dass eines der Kinder eine liebevolle Whats App geschickt haben könnte….. ich werde selten enttäuscht, was die Kinder betrifft, häufiger aber bezüglich des „liebevoll“!). Wer wie ich öfter mal mit dem Zug fährt und sich dort gerne in Zeitungsartikel oder Bücher vertieft, der weiß um die Anstrengung, die es kostet, sich gegen das allgegenwärtige Gebrabbel in und aus den Handys in der Umgebung anzukonzentrieren. „Ja, das habe ich dem Mistkerl auch gesagt…. die Börse sagt aber…. Herr Müllerhuber ist ein Idiot, ich habe ihm erst gestern… soll ich 100 oder 125g Schinken mitbringen…“

Auch der Gedanke, demnächst mit Spionagebrille auf der Nase und Spionagechip unter der Haut herumzulaufen macht mich frösteln.( Ah.. aber vielleicht ist das die Lösung: wenn sie uns zwangsgeimpft haben – inklusive Chip – dann könnte eine veritable Gänsehaut das Senden von Daten womöglich unmöglich machen? Sollte man mal überprüfen.) Und mir graut vor dem Tag, an dem ich ein neues Auto kaufen muss. Den Überblick über Funktionsweise und Anzahl der Spitzel, die da eingebaut werden, habe ich längst verloren. Aber ich bin sicher, da könnte sogar Q, der Forschungschef des MI6, noch etwas lernen.

Also Hightech und Überwachung all überall und es sieht nicht so aus, als würde es da Rückentwicklungen geben. Eine Sache finde ich aber super: die intelligente Toilette! In der Zeit vom 09.04.2015 ist ein wunderschöner Artikel über Klos, die praktisch sind, sauber, mitdenken und Emotionen wecken. Sie sind das Glanzstück aus der Kombination japanischem Hightechwahns und italienischer Lebensart. Sie machen alles: nicht nur Unschönes geruch- und spurlos beseitigen, sie verpassen Massagen, wärmen den Allerwertesten und untersuchen die diversen Hinterlassenschaften gleich medizinisch und melden die Daten an den Hausarzt. Lange Wartezeiten bei selbigem entfallen daher. Der Sitz ist ergonomisch so geformt, dass man gar nicht mehr aufstehen will. Da ist es gut, wenn das Bad groß genug ist, dass neben dem stillen Örtchen noch ein Wissens-Örtchen, nämlich Bücherregal, Platz hat. Und die neuen Schüsseln haben Rundungen, die wohlgeformten Frauenkörpern nachempfunden und somit herrlich anzusehen sind. Das weckt Emotionen, das bindet uns gefühlsmäßig an das WC, das lässt das Bad zum Superstar im Hause werden. Und was haben wir nun davon?

Lauter Vorzüge: Mehr Zeit zu Hause, da weniger Arztbesuche. Das Sofa hält länger, da wir mehr Zeit auf dem Klo verbringen. Wir sparen an Klobürsten, Heizkosten (wegen der gewärmten Brille), ernähren uns vermutlich gesünder (fördert ja bekanntlich die Verdauung und wo wir doch nun so gerne im Bad sind….) und werden von Tag zu Tag etwas schlauer. Wenn das Bücherregal Platz hat und nicht etwa von einem Fernseher verdrängt wird.

Die Entwickler der japanischen Firma Toto haben sich so viel Mühe damit gegeben, aus „einem eigentlich unangenehmen Vorgang einen Angenehmen zu machen“, dass ich davor symbolisch meinen Hut ziehe, alle Bedenken über Bord werfe und bekunde: her mit dem Ding, ich will auch ein „Washlet“ oder ein „Neorest“ und bitte unbedingt mit der goldverzierten Fernbedienung. Wasser marsch!

Toto gibt es übrigens in Deutschland auch. In Düsseldorf. Vermutlich auf der Klö.

 

 

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Ein Gedanke zu “Hightech auf´m Klo!

  1. Hatte doch so ein Gefühl, daß ich hier ‚mal wieder vorbeischauen sollte…

    Abgesehen davon, daß wir Datenschutz-, Privatsphäresicherungs- und Überwachungstechnisch auf der gleichen Wellenlänge funken: Deine Themen werden irgendwie abgründiger, scheint es. Obwohl – dazu hänge ich Dir gleich noch was hintendran (wenn das denn technisch geht?)… Und dieses Supernobeledelklo – möchte ich bitte nicht haben. Nicht geschenkt und nicht für Geld. Was bitte ist denn besser daran, wenn meine Toilettenschüssel mir zu verstehen gibt, daß ich zu viel Schokolade und zu wenig rotes Obst esse als wenn eine Smartwatch etwas mehr Schonung der Kniee und dafür aufrechtes Sitzen einfordert…?! NEIN! Ich möchte bitte Dinge und Geräte um mich herum, die EINEN Zweck erfüllen und meinen Ansprüchen genügen. Nicht solche, die Ansprüche definieren, die ich mir zu eigen machen sollte… Grrrhhh… Laberthema ohne Ende. Und jetzt mein Versuch, Deine Sicht auf das Toilettenthema wieder in professionell-distanzierte Bahnen zu lenken:

    Alles oder nichts ändern:

    Erlebnistourismus – öffentliches WC

    Man sollte meinen, ein Toilettenbesuch gibt nicht einmal ein ordentliches Gesprächsthema ab geschweige denn Stoff für eine Kurzgeschichte (oder gar Veränderungen jeglicher Art…). Weit gefehlt! Und denen, die das Thema an sich peinlich und unaussprechbar finden, sei Entwarnung gegeben – es wird nicht einmal ansatzweise um Fäkalien gehen…

    An einem ganz normalen Arbeitstag in einer ganz normalen Arbeitswoche war ich über Mittag in einem von mir sehr geschätzten Berliner Einkaufszentrum, um neben einigen nötigen Besorgungen auch ein gepflegtes Mittagessen zu genießen. Was bis dahin absolut plangerecht in die Tat umzusetzen war. Es gab übrigens einen sensationell leckeren Kartoffelauflauf und ich war hochzufrieden mit dem Tag. Solche Gelegenheiten nutze ich auch meist zu einem Toilettenbesuch, da die dortigen Sanitäreinrichtungen im Vergleich zu den Klos auf unserer Baustelle, die maximal einen Notbehelf darstellen (zumal für eine Frau, die vielleicht auch gerne einen prüfenden Blick in den Spiegel werfen mag), geradezu luxuriös ausfallen.

    Dem Wegweiser folgend fand ich leicht den langen Korridor, an dessen Ende ein Schild die Männlein nach rechts und die Weiblein nach links verwies. Kaum links eingeschwenkt und schon im Begriff, die Tür anzusteuern, wurde ich kurz stutzig: an einer anderen, kleineren Tür hing ein Schild: „Personal männlich“. Stutzig werden hieß bei mir in dem Fall auch kurz stehenbleiben. Ein kasernenhofartiger Kommandoton hinter mir ließ mich herumfahren. „Nun gehen Sie schon weiter, oder können Sie nicht lesen?“ Eine kaum 1,55 m große, zierliche, raspelkurz grauhaarige und vermutlich etwa sechzigjährige Frau mit Nickelbrille in der für Toilettenfrauen unverkennbaren „Uniform“ – weißer Kittel über Leggins und Gesundheitslatschen. Ich versicherte ihr, des Lesens durchaus mächtig zu sein und gerade deshalb ein wenig Verwirrung zu empfinden, warum denn die männlichen Mitarbeiter auf der Damentoilette… „Das müssen Sie schon uns überlassen!“ Okay. Das kann ich notfalls. Konsterniert aber nun wieder zielstrebig bog ich in die richtige Tür ein und wollte diese gewohnheitsmäßig hinter mir schließen. „Die bleibt offen!“ Ja, man ahnt es vielleicht: der kleine WC-Dragoner gab nicht so leicht auf. „Warum?“ So eine Gegenfrage muß einfach gestattet sein. „Meinen Sie, ich mache 250 Mal am Tag die Tür auf und zu, wenn ich durch muß? Außerdem könnten Sie die Tür ins Kreuz bekommen, wenn Sie genau dahinter stehen und jemand hereinkommt.“ „Aha. Ähm – nichts liegt mir ferner, als mich direkt hinter der Tür aufzustellen, glauben Sie mir…“ „Die Tür bleibt jedenfalls offen!“ Okay. Ich bin ja nicht auf Streit aus. Diesem aus dem Weg gehend verschwinde ich in der (nebenbei bemerkt mustergültig sauberen und geräumigen) Kabine und verrichte mein Geschäft. Nach dem anschließenden Finger waschen im Vorraum bin ich gerade dabei, meine Kleidung zu richten, als ein Seitenblick mir verrät, daß ich aufmerksames Publikum habe. Noch heute bin ich überzeugt, daß die Dame von der Putzfraktion die ganze Zeit dort verharrt hatte, um sich ja nichts entgehen zu lassen. An der Stelle konnte ich es mir nicht verkneifen: „Sehen Sie, darum wollte ich die Tür schließen – es steht schließlich nicht jeder auf Zuschauer.“ „Was wollen Sie denn? Im Klo waren Sie doch alleine, oder? Und das hier ist im Übrigen weder eine Modenschau noch ein Kosmetiksalon, also kommen Sie ‚mal zum Ende!“ Ganz ehrlich – mir fehlen nicht oft die Worte. In dem Moment war ich jedoch regelrecht sprachlos. Mit hoffentlich vielsagendem, also strafendem Blick wandte ich mich ab und zog den Lippenstift fertig nach. Was das Rumpelstilzchen in Weiß derweil vor sich hinmurmelte und brabbelte, habe ich ausgeblendet, um mich nicht letzten Endes doch noch aufzuregen. Nicht ganz ernst gemeint, aber mit einem boshaft-häßlichen inneren Grinsen wandte ich mich an die übellaunige Person: „Ich hoffe, Sie können auf 50 Euro herausgeben. Leider habe ich kein Kleingeld dabei.“ Und mit Schaum vor dem Mund (ungelogen) geiferte sie zurück: “Von so was wie Ihnen hätte ich sowieso kein Geld angenommen!!“ … Fast fluchtartig verließ ich das Etablissement und hielt erst vor dem Shoppingcenter wieder inne.
    Ich habe keine Ahnung, wo eine mögliche Ursache für diese Konfrontation gelegen haben könnte. Und ich neige dazu, alles zu hinterfragen und verstehen zu müssen… Es gelang mir nicht. Ich bin ein höflicher und kommunikativer Mensch; ich habe Respekt vor jedem, der sich diesen nicht selbst verscherzt; ich war zwar durchaus gut, aber erkennbar für die Outdoor-Arbeit gekleidet… Nichts davon war geeignet, diese durch und durch unzufriedene Frau zu provozieren. Auch in dem sich zuspitzenden Dialog bin ich nicht ausfallend oder arrogant aufgetreten. Entweder habe ich einen ausgesprochen schlechten Tag im Leben einer ansonsten guten Seele erwischt – oder eben die personifizierte Schwester von Motzki und Grantlhuber…

    Regelrecht erschreckt über meine eigene Erwägung, das Centermanagement aufzusuchen und auf die wenig servicebegeisterte Kraft hinzuweisen, schüttelte ich mich kurz und eilte meiner Wege. So weit kommt es noch, daß ich womöglich am Arbeitsplatzverlust einer alten Frau schuldig werde. Aber jeder – auch ich – hat seine Toleranzgrenzen, so viel steht fest. Wenn einem das nicht in Abständen immer wieder bewußt wird und man nicht die absolute Selbstkontrolle behält, entsteht eine gefährliche Kombination aus Frust und Rage: ein anderer Besucher an meiner Stelle hätte vielleicht bereits mit Beleidigungen oder sogar der Faust geantwortet, falls er oder sie so behandelt würde. Auf dermaßen belanglose Art kommt es zu unzähligen gemeinen oder gewalttätigen Auseinandersetzungen, die neben den teils blutigen Auswirkungen meist noch eins gemeinsam haben: einen nichtigen Anlaß! Alles oder nichts ändern – im alltäglichen Umgang miteinander täten uns allen auf jeden Fall Achtsamkeit, Empathie und ein wenig Geduld mit den eventuellen Nöten des Gegenüber sehr gut. Laßt uns daran arbeiten, etwas mitmenschlicher zu werden im ohnehin viel zu komplizierten anonymen Leben!

    Seit dem Vorfall sind mittlerweile fast zwei Jahre vergangen. Und auch wenn das albern wirkt und überhaupt nicht zu mir paßt: ich bin nicht wieder in dem Einkaufscenter gewesen. Es ist bestimmt keine Scheu vor einer neuerlichen Begegnung oder die Angst, mich dann nicht beherrschen zu können; allein die damalige Situation hinterläßt ein derart ungutes Gefühl bei mir, daß ich auf eine Neuauflage dankend verzichte. Immerhin: die anderen Berliner Einkaufstempel sind erklärtermaßen höchst erfreut… Das wäre dann wohl meine persönliche Änderung als Konsequenz dieses vertrackten Zusammentreffens der außergewöhnlichen Art. Beim Niederschreiben eben dieser Worte merke ich jedoch: genau den einen überfälligen Gang habe ich noch vor mir – ohne eine Auseinandersetzung zu suchen einen längst verjährten Konflikt für immer ad acta zu legen. Abzuschließen. Sein zu lassen… Weil man nämlich nicht alles partout ändern muß: manches darf auch einfach sein, wie es ist. Bleibt noch die allfällige Bitte um genug Kraft, das zu ändern, was möglich ist, genug Duldsamkeit, das auszuhalten, was nicht verändert werden kann und genug Weisheit, das Eine vom Anderen zu unterscheiden…

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