Wir basteln uns da mal ein Problem…

Ein Leben ohne Probleme ist langweilig. Finden Sie das auch? Immer nur dröge vor sich hin zu leben, ohne Herausforderung, die es zu bewältigen, ohne Probleme, die es zu lösen gilt… wer will das schon?

Klar, es gibt die großen Themen wie Umweltkatastrophen, Klimawandel, Flüchtlingsströme, Euro-Krise, Terrorgefahr…. und auch ein paar kleinere wie Pegida, Politikverdrossenheit, Überalterung der Gesellschaft, Schulversagen (eher der Institution als der Schüler!)… oder noch kleiner, der nörgelnde Nachbar, Hundehaufen auf den Gehwegen und Wartezeiten allgemein.

Abgesehen davon ist es aber gar nicht so leicht, ein Problem zu haben. Das kriegt man nämlich nicht einfach so, es kommt nicht vorbeispaziert, klingelt und bittet um Einlass. Nein, nein, für ein gutes, anständiges Problem muss man werben, man muss sich anstrengen und eine Menge dafür tun. Darum hier mal eine Anleitung zum Probleme basteln:

Sie brauchen sich selbst, einen Ist-Zustand (z.B. ich schreibe total ungern) einen Soll-Zustand (ich will ein berühmter Autor werden) und einen inneren Beobachter, der nicht gelassen sagt „Quark, ist ja gar nicht dein Ding, geh lieber malen oder den Kühlschrank putzen“ sondern eher als antreibender Kritiker fungiert und permanent Sätze loslässt wie       “ Hopp,hopp, Morgenstund hat Gold im Mund – ab an den Schreibtisch“ oder „Nur ein Schriftsteller ist ein wahrer Mensch“ oder „Du kannst alles schaffen, wenn du nur willst“ und dergleichen hilfreichen Dinge mehr.

Erst dann kriegen Sie ein richtig schönes Problem hin. Nur die Differenz zwischen Ist und Soll ist da nicht ausreichend, es braucht auch eine ordentliche Portion Bewertung. Es gäbe keine Burn-outler, wenn diese sich im Wust der überhand nehmenden Anforderungen fröhlich einen Tee einschenkten, die Füße hochlegten und sich mit einem „na, mehr geht halt heute nicht“ pünktlich in den Feierabend verabschiedeten.

Sie sehen, ein veritables Problem kriege ich nur mit großer Anstrengung. Ist echte Arbeit und sollte als solche gewürdigt werden. Darum möchte ich hier an dieser Stelle auch die herausragende Leistung eines konservativen Christen namens Feuerstein erwähnen, auf das der geneigte Leser dessen Fähigkeit zur Problemerschaffung bewundere. Und nein, er heißt nicht mit Vornamen Fred. Schade, ein beherztes Wiiiillmaaa hätte vielleicht eine beruhigende Wirkung auf den streitbaren Herrn gehabt.

Mister Feuerstein ist es mit Hilfe seines inneren Beobachters (der offensichtlich noch viel konservativer angehaucht ist, als unsereiner sich vorzustellen vermag) gelungen, aus einem schlichten roten Pappbecher ein solches Problem zu kreieren, dass er zum Klickmeister auf youtube wurde und sogar die mächtige amerikanische Politik in Gestalt des zwar gestalt,- aber eher wenig geist-reichen Donald Trump, zu neuen Ideen inspiriert hat.

Es geht um den neuen Weihnachtspappbecher der Firma Starbucks. Der ist in diesem Jahr, entgegen früheren opulent mit Sternen und sonstigem weihnachtlichen Bohei (Verzeihung, ich meinte natürlich mit christlichen Wahrzeichen) verzierten Trinkgefäßen, in schlichtem aber strahlendem Rot gehalten. Die Diskrepanz zwischen rotem Ist und christlichem Soll hat besagten Herrn Feuerstein zu einer Kampagne gegen Starbucks bewegt. Ich zitiere aus der ZEIT vom 12.11.15:

„.. spricht ein konservativer Christ mit Baseballkappe in einem youtube Video von einem „Krieg gegen Christen“……Feuersteins Video wurde derweil über 14 Millionen mal angesehen – und der Milliardär Donald Trump rief sogar zum Boykott der minimalistischen Becher auf“.

Für alle, die sich das genauer anschauen möchten, es reicht die Sucheingabe von „Feuerstein und Starbucks“ bei youtube, um auf eine Vielzahl unterhaltsamer und lehr-(oder meine ich doch „leer“-) reicher Videos zu stoßen.

Alles in allem ein besonders gelungenes Beispiel dafür, wie man ohne große Mühe die wunderschönsten unnötigen Probleme basteln kann und es damit sogar in die Nachrichten schafft. Herzlichen Glückwunsch an H. Feuerstein an dieser Stelle 🙂

 

 

 

 

 

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3 Gedanken zu “Wir basteln uns da mal ein Problem…

  1. Mal abgesehen davon, daß angeblich jedes Problem bereits seine Lösung in sich trägt und ich angesichts etlicher sogenannter Lösungen viel, viel lieber die ursprünglichen Probleme zurück hätte…: natürlich alles Kopfsache. Wie überhaupt alles und jedes unser ureigenstes mentales Konstrukt ist. Wenn jedoch System dahinter steckt – also ein gigantisches Problem konstruiert wird, um mißliebige Lösungen rechtfertigen zu können – wird es beklemmend. Und laß uns dabei ‚mal einen Tick weiter denken als über den roten Becherrand…

    • Liebes Rabentier,
      dass du auch immer weiterdenken musst 🙂 Das führt mich glatt zu einem:

      Hm…. so weit muss man ja gar nicht gucken… jedenfalls nicht, wenn man artikelgemäß in Amerika bleibt…. für wieviel eingebildete Probleme gibt es die wunderbare Lösung der Schusswaffen für jedermann? Das ist mehr als beklemmend!

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