Von Partnerschaft und Partnerschaften.

Seit meiner Scheidung bin ich partnerlos. Nun ja, nicht so ganz. Eigentlich habe ich eine ganze Menge Partner. Und zwar im besten Sinne des Wortes:

Da gibt es meine Geschäftspartner. Man könnte auch Kollegen sagen, aber das würde unserem wirklich partnerschaftlichen Verhältnis nicht gerecht werden.

Dann sind da meine Mitautoren. Hätten wir nicht einen wirklich guten, konstruktiven und vertrauensvoll-partnerschaftlichen Umgang miteinander, das Krokodil wäre wohl niemals zum Fliegen gekommen.

Ich habe einen guten Freund, der, je nach unseren jeweiligen Terminmodalitäten, mal mein Montags- und mal mein Mittwochsdate ist. Manchmal entscheiden wir auch – sehr partnerschaftlich – dass wir ein Samstagsdate einschieben. Außerdem ist er mein Mentor, was alle Dinge, die mit Elektronik zu tun haben, betrifft. Geduldig und liebevoll erklärt er mir, seinem in diesen Bereichen völlig unbelehrbaren Partner, dass er die Fotos nicht extra mitbringen muss, weil er sie in der Cloud gespeichert hat. Und die Cloud ist….:-)

Ich habe alte Freundinnen, die Lebensbegleitungspartner im besten Sinne sind. Eine weitere, die mir durch einen irren Zufall zugeflogen und die beste Partnerin in puncto Schrägheit und verrückten Ideen ist, die man sich vorstellen kann und eine andere, deren Seele offensichtlich mit meiner in irgendeinem anderen Leben beschlossen hat, eine Partnerschaft einzugehen, die nicht einmal der Tod scheiden kann.

Meine Kinder sind in einem Alter, wo sie mir weniger Aufgaben als meine „Kinder“ stellen (es sei denn, sie brauchen mal Geld, müssen von A nach B gefahren werden, das Deo wäre alle, der Kühlschrank leer und eine Wasserkiste hätten sie auch gern mal wieder. Ach ja, und im Erkältungsfall ist Mama auch heiß begehrt). Also, wie gesagt, die brauchen mich kaum gar nicht fast nie und jedenfalls nicht täglich 24 Stunden lang. Statt dessen entwickelt sich unser Zusammenleben mehr in Richtung WG:

Wer putzt wann welches Bad? Welche Zimmer müssen aufgeräumt werden? Wie regeln wir das mit den Tellern, die sich auf der Minna stapeln und seltsamerweise nicht von allein hinein wandern? Und dann der Müll…

Ich gebe zu, das ist eine Art von Partnerschaft, an der wir noch viel arbeiten müssen.

Aber ich denke, Sie erkennen, was ich meine. Es mangelt mir nicht an Partnern aller Arten. Nein, ich schätze mich reich und glücklich, so viele verschiedene haben zu dürfen. Das – oder der – einzige, was mir fehlt, ist der dem Ehemann ähnlichen Lebensdauerpartner. Genau genommen bin ich mir nicht sicher, ob der mir wirklich fehlt. Da ist er aber jedenfalls nicht.

Vekuppelungsbitten vor Jahren an meine „alten“ Freundinnen waren erfolglos. Ich glaube, sie konnten nicht glauben, dass ich das tatsächlich ernst meinte. Und das war auch gut so, denn heute glaube wiederum ich nicht, dass das hätte gut gehen können. Außerdem fühle ich mich mit mir und meinen vielen unterschiedlich gestalteten Partnerschaften ganz wohl.

Neulich hat mir aber die Schräge einen Floh ins Ohr und ein Bild in den Kopf gesetzt, das mich nachhaltig beeinflusst hat. Das Bild eines Mannes nämlich und den Floh mit Namen Daniel. Der ist offenbar ein nicht ganz unbekannter, hm, wie soll ich es nennen, Weltenverbesserer. Jedenfalls scheint er nicht der klassische Haus-Hund-Hof Bankberater zu sein, sondern vielmehr das,  was  man allgemein und in meiner Familie besonders unter einem „Rumziehbesen“ versteht. Der dann auch noch als Umweltaktivist unterwegs ist, einen völlig unrunden Lebenslauf zu haben scheint und sehr sympathisch daher kommt.  Da dachte meine Freundin  wohl (zu Recht?), alles, was ein bisschen anders ist, ist gut für mich.

Mit Floh und Bild ging ich also ins Bett und dachte an Daniel, den Querdenker. Allerdings entpuppte sich mein Traum – Daniel als etwas völlig anderes. Er arbeitet nämlich bei der LBS und verkauft Bausparversicherungen. Er hat ein eigenes kleines Büro, das im Sommer eine Eisdiele ist. Da sitzt er, schaut mit seinem offenen Gesicht über die nun leere Eistheke nach draußen und nickt Vorbeigehenden freundlich zu. „Möchten Sie nicht vielleicht einen wohlschmeckenden kleinen Bausparvertrag abschließen? Wir bieten ihn in verschiedenen Geschmacksrichtungen an.“

In meinem Traum war ich von diesem Daniel schwer begeistert und wachte sehnsuchtsvoll auf. Nun – nach etlichen Tassen Kaffee – sitze ich hier und frage mich, was mir mein Unbewusstes wohl damit sagen möchte? Brauche ich zum Wohlfühlen doch eher den Biedermann als den Aussteiger? Den Braven statt des Ausgeflippten? Den Traditionalist statt des Nonkonformisten? Den Langeweiler statt des Schelms?

Im wachen Zustand würde ich ein klares, lautes und deutliches NEIN dazu sagen. Wenn ich aber meinem Unbewussten zuhöre, was dann?

Aber wie gut, dass sich dieses Thema im Augenblick nicht stellt. Da kann ich in Ruhe noch ein paar Träume abwarten. Mal sehen, wie Daniel sich entwickelt. In der Zwischenzeit genieße ich meine vielen unterschiedlichen Partnerschaften einfach nur so. Und wer weiß, vielleicht frage ich dann eines Tages meine Freundin mal nach dem Visitenkärtchen des Flohs…   🙂

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3 Gedanken zu “Von Partnerschaft und Partnerschaften.

  1. Eckhart Tolle sagte: „Wenn ich immer auf etwas warte, weise ich das Leben unbewusst zurück.“
    Da mir noch nicht bewusst ist, was er damit meinen könnte, würde ich diese Aussage für mich nicht benutzen. Doch darüber werde ich mich bei Gelegenheit der Kontemplation hingeben.

    Jemand (?) anders meinte: „Wenn du das wirklich Wertvolle im Leben finden möchtest, dann musst du in die Richtung schauen, in die die Menschenmenge nicht sieht.“
    Da kann ich schon mehr damit anfangen – vor allem dann, wenn ich festgestellt habe, in welche Richtung die Mehrheit (?) schaut.

    Eine weitere gelesene Weisheit (Autor?) lautet: „Viele Menschen versäumen das kleine Glück, während sie auf das Grosse vergebens warten“.
    Wahrscheinlich gut dem, der seine eigene Definition von Glück kennt.

    Im August 2010 habe ich meinem Notizbuch folgendes anvertraut: „Auf der Suche nach mir, wirst du dir selbst begegnen. Suchst du hingegen dich, wirst du mich finden.“

    Als Ergänzung fand ich im selben Buch – wenn auch zwei Monate früher datiert – diesen Eintrag: „Wenn etwas nicht sichtbar scheint, heisst dies noch lange nicht, dass es nicht da ist. Schliesse die Augen und du magst es vielleicht erkennen.“

    Da ich, wie du weisst, das Radschlagen nicht kann und das Ratschlagen nicht mag, sind die obigen, „weisen“ 😉 Zitate weder als Rad, nicht als Rat, noch als Schläge zu betrachten, sondern als Ideen, bzw. als Ansätze um den Gedanken einen allfälligen Richtungswechsel zu ermöglichen. Anatomisch sind wir Menschen dazu sowieso prädestiniert, da unser Kopf rund ist…

    In Gedanken sende ich dir den Wusch nach einem dir ähnlich (er)scheinenden Engel.

    Herzlich. Adrian

    • Allseits guten Morgen! Ich mache heute ‚mal was Ungewohntes: ich kommentiere den Kommentar und nicht den Text selbst… Vielleicht auch nur deshalb ungewohnt, weil hier so wenig kommentiert wird und man sich ganz einsam auf weiter Flur fühlt…;-)) Vielleicht aber auch, weil ich ganz viele tolle (weil weise) Zitate und Ansagen in wenige Sätze verpackt total spannend finde. Also: Ohne Katjas Worte interpretieren zu wollen – Unglück liest sich anders. Und wir alle vermissen hin und wieder Komponenten unseres Lebens, die gerade nicht verfügbar sind. Schade, aber handhabbar, denke ich. Da kommt dann so ein Anstoß zum Richtungswechsel (köstlich – des runden Kopfes wegen…) gerade recht. Schreibe ich mir auch – einmal mehr – auf die Fahne: danke! Obwohl solche Anstöße normalerweise von Katja zu mir getragen werden…;-)) Wie schön, daß wir doch irgendwie alle im gleichen Käfig sitzen und an der Selbstbefreiung arbeiten! Laßt es uns anpacken…!

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