Bodo Wartke, die Wise Guys und ich.

Uns vereint die Begeisterung an der Schieflage der Deutschen Bahn. Konstruktivistisch und systemisch gedacht und gehandelt, setzen wir die ärgerlichen Begegnungen mit dieser Institution irgendwie künstlerisch um. Die Wise Guys in ihrem im wahrsten Sinne des Wortes bahnbrechenden Lied „Sänk ju for trävelling wis Deutsche Bahn“

Bodo Wartke verarbeitet seine Erlebnisse in seinem Reisetagebuch, in dem er erklärt, wie man sich gut auf Verspätungen und andere Problematiken vorbereitet. Als Stichpunkt seien hier nur Zelt und Campingkocher genannt.  Oder wie man im Zug Fahrkarten für die in der Zwischenzeit dort geborenen Kinder löst.

Ich schreibe einfach darüber. Folgendes passierte neulich:

Ich fahre mehrmals im Monat nach Frankfurt. Ab und an tue ich das so oft, dass es sich rentiert, eine Monatsmarke des örtlichen Verkehrsverbundes zu erwerben. Bis zum 31.12.15 war das kein großes Problem. Ich ging an den Automaten bei mir zu Hause (kleiner Bahnhof, verständlicherweise wurden Fahrkartenschalter dort schon vor vielen Jahren abgeschafft), touche mit dem Finger auf dem screen herum, bis die richtige Anzeige erscheint, zahle und kriege ein papiernernes Ticket ausgedruckt. Wobei, kleine Bemerkung am Rande, dass mit dem Bezahlen klappt nicht immer problemlos. Neulich fraß der Automat meine 130 Euro einfach und weigerte sich, mir ein Ticket auszudrucken. Die Rückgabe des Geldes verweigerte er allerdings auch. War aber kein Problem, anhand der auf der Kiste stehenden Telefonnummer erhielt ich die Auskunft, sobald ein Techniker geprüft habe, dass der Automat einen Defekt hat, bekäme ich mein Geld auf das Konto überwiesen. Bis dahin solle ich doch einfach noch einmal 130 Euro vorstrecken… Es dauerte auch lediglich zwei Wochen aber dann war das ganze Geld wieder da. Und das ohne Abzug von Bearbeitungsgebühren!

So, zurück zum Thema. Ab Januar 2016 gibt es das Papier Ticket nicht mehr, man muss jetzt ein sogenanntes E-Ticket, also elektronisches Ticket haben. Das kriegt man natürlich nicht am Automaten, sondern an einem Fahrkartenschalter oder im Büro des Verkehrsverbundes. Wie bereits erwähnt, gibt es diese Einrichtung nicht in meinem Bahnhof. Das macht auch nichts, denn im Moment benötige ich lediglich Einzelfahrscheine. Die sind übrigens teurer geworden. Ich vermutete daher, dass sich auch der Preis der Monatskarte erhöht hat und wollte zumindest schon mal gucken, wie viel Geld ich für das nächste Mal einstecken muss. (Ja, ich bin notorischer Barzahler…). Der Automat verweigerte mir jedoch die Auskunft, weil ich noch nicht im Besitz eines E-Tickets war, das ich dafür an die entsprechende Stelle auf dem Touchscreen hätte halten müssen.

Kein Problem, ich habe abends einfach bei der Rückfahrt auf dem Bahnhof in Frankfurt nachgefragt. Der ist ziemlich groß, da fahren S-Bahnen, Regionalzüge und sogar der ICE. Es gibt dort daher zwar keine Fahrkartenschalter aber einen Informationsstand der Deutschen Bahn. Da saß des Abends ein Jüngelchen drin, welches freundlich sein Privatgespräch auf dem Handy unterbrach, als ich mich näherte. Ob er mir sagen könne, was eine Monatskarte koste? Nein, könne er nicht, da müsse ich am Automaten gucken. Auf meine Erklärung, dass und warum das nicht ginge erwiderte er freundlich, dass ihm das leid tue aber er könne keine Preisauskunft geben, er sei nur für Informationen zuständig.??. Aber am Automaten könne ich… Ich bat ihn daraufhin, mich zum Automaten zu begleiten, um mir zu zeigen, wie ich dort an die gewünschte Information kommen könne. (Manchmal hat es durchaus Vorteile, jenseits der 50 zu sein, man kann so herrlich unwissend tun.) Etwas weniger freundlich verließ er sein Kabuff, gab irgendwas auf dem Touchscreen ein und sagte, da stünde es ja, 65 Euro. Meinen Einwand, dass das unmöglich die richtige Monatskarte sein könne, da diese früher 130 Euro gekostet hätte und eine Halbierung des Fahrpreises gerade bei der Deutschen Bahn doch sehr unwahrscheinlich sei, wischte er ungnädig beiseite. Außerdem, ließ er mich wissen, könne ich eine Preisauskunft am besten am Fahrkartenschalter erhalten. Auf meine leise gemurmelte Bemerkung hin, dass es hier am Bahnhof ja aber doch keinen gäbe zuckte er die Schultern und verkündete lapidar: „Dann gehen Sie doch zum Hauptbahnhof“. Klar, der liegt ja nur etliche Kilometer weit weg. Ich begann langsam, ein wenig ärgerlich zu werden.

Aber da ich ja weiß, dass der Empfänger stets die Bedeutung der Botschaft bestimmt, blieb ich ruhig und bat ihn lediglich, seinem Vorgesetzten doch die Problematik einmal zu schildern, damit dieser wenigstens Kenntnis davon erlange. Die Antwort des Jünglings erstaunte mich. Er habe keinen, ließ er mich wissen. Du lieber Himmel, wenn der gesamte Servicebereich der DB in derart jungen, unwissenden und, ich muss es in diesem Fall leider sagen, unwilligen Händen liegt, wundert es mich, dass da überhaupt noch irgendetwas klappt. Die ganze Geschichte endete mit seinem Angebot, mir einen Zettel mit Telefonnummer zwecks Möglichkeit zur Beschwerde zu geben. Auf diesem stand dann nicht nur die angekündigte Nummer, sondern auch die Information, dass ein Anruf per Festnetz 20 Cent pro Minute kostet. Das nenne ich mal gelungenes Beschwerdemanagement!

Eine Anmerkung zum E-Ticket sei mir aber noch gestattet. Es wird alle potentiellen Schwarzfahrer erfreuen zu hören, dass das Kontrollieren dieses Tickets ca. 10-15 Mal so lange dauert, wie der bisherige kurze Blick auf das Papierteil. Ich habe es nachgemessen! Und das auch nur, sofern das Lesegerät überhaupt funktioniert! Ein Schaffner erzählte mir, dass er es früher schon kaum geschafft habe, durch den ganzen Zug zu kommen, mit dem E-Ticket sei das nun völlig unmöglich geworden. Es gilt also:

Das neue E-Ticket der Deutschen Bahn: Schwarzfahren leicht gemacht.

Auf diese Weise bringt die Bahn mehr Spiel, Spaß und Spannung in unser Leben. Das Ü-Ei der Bahnfahrer. Vielleicht ist das ja der eigentliche Service 🙂

 

 

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3 Gedanken zu “Bodo Wartke, die Wise Guys und ich.

  1. Yo, Bahn kennen wir alle. Ein immer wiederkehrender Anlaß sowohl zu Erheiterung als auch Verzweiflung… Und jetzt muß ich mich mal ganz vorsichtig an die neu Situation herantasten…: es gibt keine Papiertickets mehr? Na fein, sterben weniger Bäume. E-Ticket…? Ist das was mit Smartphone…? Und wenn ich nun keins nutze (und niemals nicht nutzen will)… Darf ich nicht mehr Bahn fahren? Und wenn der mit dem Smartphone gerade dann (natürlich) keinen Saft mehr auf dem Akku hat, wenn die Kontrolle kommt…? Das ist doch alles Nonsens. Auf ganz hohem Niveau! Ich bin raus…

    • Aber, aber, meine Liebe, wer wird denn gleich so pessimistisch sein! Nein, keine Sorge, du KANNST zwar dein Ticket auf dem Smartphone haben
      (glaube ich zumindest, o jehmineh..) aber das E-Ticket, das ich meine, ist so ein Plastikkärtchen. Macht nur das Portemonaie dicker 🙂
      Es steht allerdings nicht mehr, wie auf dem Papierticket, drauf, wie lange es gültig ist. Dazu muss man es vor der Fahrt dann wieder an
      den Automaten halten…

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