Aus der Abteilung: schräge Typen. Oder…

…habt ihr sie noch alle am Sträußchen?

Meine Sammlung von unvorstellbar denkenden und handelnden Mitmenschen wird immer schöner. In der ZEIT vom 4.2.16, Ressort Politik, Artikel „Böse Onkels“ wird, unter anderem,  ein Ehepaar in USA beschrieben. Es lebt beschaulich im ländlichen Idyll in der Mitte des Landes, dem sogenannten „Heartland“ der Vereinigten Staaten. Die Eheleute nannten eine hübsche kleine Steinkirche ihr Eigen, wo sie ein Cafe führten und Hochzeiten ausrichteten. Beide sind strengst gläubig (von christlich will ich hier allerdings absichtlich nicht sprechen), heilig, heilig, heilig ist ihnen die Ehe. und alles war wunderbar, sozusagen puderosarot. Bis, ja, bis eine übermächtige Gefahr über sie hereinbrach wie eine Naturgewalt. Entsetzlich, bedrohlich und genauso fremdartig und unverständlich wie r2d2. Oder  vielleicht eher wie c3po, der hat ja zumindest eine menschliche Gestalt und sprechen kann er auch.

Der c3po dieses Ehepaares hieß anders, genauer gesagt waren es sogar zwei. Zwei schwule Männer, die heiraten wollten. Und gern den Hochzeitsservice des gläubigen Paares in Anspruch genommen hätten. Welch Frevel. Das heilige Sakrament der Ehe derart mit Füßen (oder etwas anderem?) getreten zu sehen, dieser Sünde konnten die beiden nicht Vorschub leisten und verweigerten ihre Dienste.

Nun könnte man denken, damit habe die Geschichte ein Ende aber nein, weit gefehlt. Die beiden Verschmähten begaben sich stracks zum Gericht und klagten. Denn im Heartland hatte man auch ein Herz für Homosexuelle – zumindest mancherorts –  und die Homoehe ist dort seit  2009 legal. Auch jetzt könnte man sich wieder fragen, warum tun die das? Wozu der Aufwand. Geht man zum Feiern halt woanders hin. Ich habe jedoch ein großes Verständnis dafür, dass Menschen, die lange, sehr lange, zu lange diskriminiert wurden und die nun endlich eine gesetzliche Handhabe dagegen haben, dass diese Menschen von ihrem Recht Gebrauch machen. Das ist auch sehr gut so, andernfalls würden viele solcher – leider immer noch mehr oder weniger alltäglicher – Situationen im Dunkeln des runtergeschluckten Frusts bleiben. Und das wäre für alle Beteiligten schwer verdaulich, würde zu Koliken, Verstopfung und am Ende überfallartigem Übergeben führen, was ja bekanntlich kein Mensch braucht.

Es wurde also geklagt. Nun ging es besagtem Ehepaar zwar ganz gut, aber sie brauchten das Hochzeitsgeld für die Rückzahlung der Hypothek. Also zum Erhalt von home und castle oder hier besser „church“. Das Angebot der Heiratswilligen, die Klage zurück zu ziehen, wenn sie dafür zukünftig auch bereit wären, Ho-Ho`s auszurichten (homosexuelle Hochzeiten :-)), schlugen sie aus. Das war jetzt nicht so ganz schlau, denn, wie oben beschrieben, brauchten sie das Geld. Also, sie hätten es gebraucht. Im Artikel wird das nicht so ganz klar aber es scheint, als wären sie jetzt pleite. Denn der gläubige Göttergatte wird zitiert mit dem Satz: „Die Schwulen haben mit ihrem Recht, zu heiraten, etwas bekommen, aber uns hat man damit etwas weg genommen.“

Naja, in meiner Welt hast du dir das selbst weg genommen, mein Lieber. Aber, tröste dich, dafür hast du auch ´ne Menge Rechtschaffenheit erhalten. Du bist standhaft geblieben wider der Versuchung, für den schnöden Mammon zu sündigen. Sicher wird dir das dereinst mit einer vergoldeten Harfe vergolten. Oder so ähnlich.

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2 Gedanken zu “Aus der Abteilung: schräge Typen. Oder…

  1. Schön ist es mal wieder, Deine glücklichen geglückten Zeilen zu lesen…! Was ich noch nicht so ganz verstanden habe bei der Sache: wer sind denn nun eigentlich die Doofen in dieser Geschichte? Das bigotte Ehepaar mit kirchlichen Amtswürden, das sich ein Liebes- und Familienleben links und rechts des eigenen beengten Horzonts nicht vorstellen kann und will – oder das homosexuelle Bräutigamspaar, das auf Deibel komm ‚raus sein verbürgtes Recht durchsetzen mag, auch wenn es einfacher und friedlicher gewesen wäre, den alten Leuten ihre Borniertheit zu lassen und quasi eine Ecke weiter zu hochzeiten? Ich weiß nicht recht… Ein Schaden ist durch die Verweigerungshaltung der Kirchenfuzzis eigentlich nicht entstanden (nicht falsch verstehen – die Verärgerung der Betroffenen geht mir schon ein). Ich wage den hinkenden Vergleich mit dem katholischen Krankenhaus in Deutschland, das der verzweifelten jungen Frau nach einer erlittenen Vergewaltigung die nur sehr kurzfristig mögliche Behandlung mit der „Pille danach“ verweigert… Das scheint mir deutlich verwerflicher zu sein – unterlassene Hilfeleistung unter dem fadenscheinigen Vorwand der ewigen Frömmelei. Nein, meine lieben trans-, homo-, bi- oder sonstwie anders gestrickten Freunde: leben und leben lassen steht Euch auch gut zu Gesicht. Und jetzt sei endlich Friede mit Euch…!

    • Ja lieber Rabe, wer ist denn nun der Doofe? Da hast du eine weise Frage gestellt. Es liegt im Auge des Betrachters. Der Eine findet einen doof, der Andere den anderen und der Dritte versteht sie alle. Oder auch nicht! Da machen wir uns eben alle die Welt, wie sie uns gefällt 🙂

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