Hotzenplotz reloaded, oder: what if…

Die Bayern, dieses schlitzohrige Völkchen, das bierseelige Gemütlichkeit an Deutschlands südlichem Zipfel propagiert, fest gemauert in heimischer Erde, umgeben von gewaltigen Bergen und tiefgründigen Seen, das neben dem Oktoberfest auch feistes Deutschtum exportiert, erfreut sich einer beachtlichen Menge geradezu unbeschreiblicher Politiker. Nun gibt es ja den bekannten Spruch, jedes Volk verdiene die Politiker, die es hat und ich kann nur inständig hoffen, dass meine Nachbarn auf der anderen Seite des Weißwurst-Äquators da eine Ausnahme sind. Also ihre Politiker nicht verdienen, sondern das diese eher irgendwie zufällig und ganz und gar unbeabsichtigt in die jeweiligen Posten und Positionen gerutscht sind.

Wir Nicht- Bayern reiben uns schon seit einiger Zeit immer wieder verwundert die Augen, ob des irren Unfugs, den Dobrindt, Söder und Konsorten quasi im Akkord dort unten anstellen.

Erst kürzlich brachten heftige Proteste die bayerische Landesregierung dazu, ihr neues Psychiatriegesetz zu überarbeiten, da es psychisch kranke Menschen stigmatisierte und entrechtete. Kurz darauf bescherte Markus Söder uns die Posse mit dem Kreuz, hängen oder nicht hängen, das war hier die Frage. Vielleicht hatte der Gute zu oft „Oh hängt ihn auf“ gesungen. Ich hätte hier noch eine  neue Strophe im Angebot:

„Oh hängt ihn auf, oh hängt ihn auf, oh hängt ihn auf, den Herren dort am Kreuze             den Präsident, den Präsident, den Präsident verlangt es danach heute.

Oh hängt ihn auf den Präsident, oh hängt ihn auf den Präsident den Präsident verlangt es danach heute.“

Für alle, die das Lied nicht kennen, bitte hier klicken:https://www.youtube.com/watch?v=ti40P3e7GVw  

Aber ich schweife ab… ach, man kommt vor lauter bayerischem Dumfug vom Hölzchen auf´s Stöckchen. Der Grund für das neueste deutschlandweite Kopfschütteln ist das sogenannte PAG – Polizeiaufgabengesetz. Um zur Beruhigung der von Kriminalität überfluteten und gebeutelten Bevölkerung zu sorgen, kriegt die Polizei neue Aufgaben, Rechte und Eingriffsmöglichkeiten – die sie, laut ihrer eigenen Gewerkschaft, gar nicht haben will. Der Laie staunt, und der Fachmann wundert sich, besonders der, der die Statistiken betreut: die Straftaten in Bayern sind nämlich drastisch zurück gegangen! Und das lange vor neuen Gesetzen.

Trotzdem sollen Menschen ohne konkreten Verdacht überwacht und sogar hinter Gitter gebracht werden können. Ohne Anklage kann man im Freistaat über Monate auf Staatskosten wohnen. Ich kann die allgemeine Aufregung darüber sehr gut verstehen. Vielleicht verstehen es auch die Verantwortlichen, wenn man die Sache mal auf den Punkt bringt. Ein beliebtes Kinderbuch, würde es in der PAG-Welt spielen, ginge so:

Wachtmeister Dimpfelmoser besucht Großmutter, die ihn auf eine Tasse Kaffee einlädt. Kasperl und Seppel sitzen im Garten und beobachten, wie Hotzenplotz verdächtig langsam am Gartenzaun entlang schleicht, während Großmutter den Kaffee in ihrer Kaffeemühle mahlt. Pflichtgetreu informieren sie sogleich den guten Wachtmeister, der in Hotzenplotz einen möglichen Kaffeemühlenräuber erkennt und ihn sofort für die nächsten Monate im Spritzenhaus festsetzt.

Ende!

 

 

 

 

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